AfD & Co.

PROLOG

Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst des ...
Ja, was ist eigentlich los, was ist das Problem unseres schönen Europas? Siebzig Jahre Frieden, der kalte Krieg überwunden, Hungersnöte sind Geschichte, wirtschaftliche Krisen werden durch Transfersysteme abgedämpft, mehrere Finanzkrisen überstanden, unsere Kinder kennen keine europäischen Staatsgrenzen mehr, die Wirtschaft boomt, also zumindest die deutsche.

Deutschland, der europäische Musterschüler, der nach dem großen Krieg immer alles richtig gemacht hat.
Selbst die vorübergehend abhanden gekommenen Ostschwestern und –brüder wurden wieder heim ins ... also heim zum Bund geholt.
Schwarz Rot Gold: Weltmeister der Herzen ... Weltmeister im Fußball (das war 2014) ... und im Autos bauen. Klassenbester im Vergleich zu allen anderen europäischen, sagen wir, Durchschnittschülern.
Unsere Zensuren: Betragen: sehr gut ... Fleiß: sehr gut ... Ordnung: schon immer sehr gut ... Weltoffenheit, naja: gut ... Toleranz, sagen wir: befriedigend ... achso Sport: sehr gut, ... Umweltbewusstsein: ... natürlich auch sehr gut!
Fehlt was? ...also schön, der Wahrheit zu Liebe: Geldwäsche: sehr gut und ... Waffenhandel: auch sehr gut.

Was ist eigentlich los, plötzlich ein hässlicher brauner Fleck auf der schönen weißen Weste. Eine Partei bricht alle Wahlrekorde, zieht zuerst in die Länderparlamente ein und sitzt inzwischen auch im Bundestag. Eine Partei, bestehend aus ausgedienten Bundeswehr- und noch schlimmer: NVA-Offizieren, ausrangierten CDU- und noch schlimmer: SED-Genossen. Ein Haufen frustrierter und einsamer Professoren, Bankroteure aller Couleur, Insolvenzverschlepper, Antisemiten, Islamhasser! ... Hab ich irgendwen vergessen? Achso der Pegida-Haufen!

Mit einer Ansammlung altbekannter Parolen, die selbst bei wohlwollender Betrachtung kein Parteiprogramm ergeben, schaffen sie plötzlich das, wovon die ehemaligen „Volksparteien“ nur noch träumen. Ist die AfD etwas Neues, ist sie wirklich auch nur eine klitzekleine Alternative? Nein ist sie nicht, die AfD ist nichts weiter als die Fortsetzung der NPD mit bürgerlicher Mitte.

Die Entwicklung vom dummen hässlichen Prol-Nazi
zum schlauen gutbürgerlichen Salon-Nazi.

Im Ernst, meine lieben Leser, es lohnt sich nicht, auch nur eine einzige weitere Zeile zu verschwenden und ich gebe Ihnen jetzt schon die Prognose, was die AfD in der nächsten Legislaturperiode erreichen wird: Nichts, nichts und wieder nichts, ein paar Millionen Steuergelder gehen den Bach runter, das war’s dann. Sie werden gar nichts erreichen und das ist auch gut so!

Also was ist los?! Was ist bloß los in Deutschland? Die Antwort ist so einfach, dass sie unseren Intellektuellen wahrscheinlich zu primitiv ist. Sie stammt vom Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaft, kurz DIW, Herrn Marcel Fratzscher. Ein Mann der bürgerlichen Mitte, Verwalter der größten Sozialdatenbank der Welt, Ökonom, Forscher und über jeden Verdacht erhaben, ein linksextremistischer Spinner zu sein:

„Zehn Prozent der Deutschen besitzen fast zwei Drittel aller Vermögen
und vierzig Prozent besitzen ... praktisch nichts.“ (1)

Das meine lieben Leser ist die einfache Antwort auf die Frage nach dem Erfolg der AfD! In nur zwei Jahrzehnten hat sich Deutschland von der „Zwei-Drittel-Gesellschaft“ zu einer „Hälfte-Hälfte-Gesellschaft“ entwickelt. In diesem Zeitraum fand der größte Reallohnverzicht der deutschen Wirtschaftsgeschichte statt.
Also wer hat etwas von unserem wirtschaftlichen Erfolg oder besser gefragt, wer hat nichts davon und noch besser gefragt, wie viele haben nichts davon:

Zweieinhalb Millionen arme Kinder, die praktisch chancenlos sind, haben nichts davon! (2)

Vier Millionen gedemütigte Hartz4 Empfänger, die praktisch besitzlos sind, haben nichts davon! (3)

Eine Million fleißige "Aufstocker," deren Arbeitslohn nicht zum Leben reicht, haben nichts davon! (4)

Acht Millionen prekär Beschäftigte im "Niedriglohnsektor" haben ebenfalls nichts davon! (5)

Der Anteil der vollbeschäftigten sozialversicherungspflichtigen deutschen Arbeitnehmer nimmt, langfristig gesehen immer mehr ab.(6) Die Armutsgefährdungsquote in unserem reichen Deutschland liegt bei 15%, das sind 12 Millionen Menschen. (7)

All diese Menschen zahlen die Zeche für Deutschlands Aufschwung und können ihre eigene Zeche nicht mehr bezahlen. Sie haben „die Schnauze voll,“ sie fühlen sich fremd im eigenen Land und sie wissen, auch jede weitere Zeche zahlen sie. Jede Luxuskarosse, jede Finanzkrise, eine aberwitzige und unfähige Eurobürokratie, ja und auch die Kosten für die Flüchtlinge zahlen letztendlich sie. Damit haben sie leider Recht.

Wahrscheinlich liegt es in der menschlichen Natur, dass dann nur noch ein Rattenfänger kommen muss, der den Schwachen erklärt, dass die noch Schwächeren an allem Schuld sind, worauf sich die Schwachen dann auf die noch Schwächeren stürzen, unfähig die wahren Verantwortlichen für ihre Situation zu erkennen. Der Rattenfänger, diese erbärmliche Rolle spielt die AfD und sie spielt sie verdammt gut. Das soll keine Rechtfertigung sein, es ist die einfache, es ist die traurige Wahrheit.

Genau diese Rattenfänger haben Deutschland den zweiten Weltkrieg anzetteln lassen, dessen grausame Hinterlassenschaft von über 50 Millionen Toten scheinbar für immer auf dem Gewissen unseres sehr fleißigen, aber leider nicht immer sehr mutigen deutschen Volkes zu lasten schien. Mit der ersten Reaktion auf die Flüchtlinge des syrischen Bürgerkrieges hat genau dieses deutsche Volk der Welt eines gezeigt: unsere Menschlichkeit: „wir schaffen das.“ Wir haben Menschen in Not, die Opfer von Krieg und Vertreibung geworden waren, bedingungslos aufgenommen. Genauso so bedingungslos, wie die ehemalige BRD jeden DDR Flüchtling aufnahm, die im übrigen fast ausschließlich, so genannte „Wirtschaftsflüchtlinge“ waren.

„Wir schaffen das,“ diese Worte werden in unsere Geschichte eingehen! Der politische Preis für diese Hilfsbereitschaft ist hoch: Wie kaum eine Krise zuvor, hat die so genannte „Flüchtlingskrise“ Deutschland in zwei Lager gespalten. Die politische Ratlosigkeit der CDU und der offen zur Schau getragene Fremdenhass einiger CSU-Politiker haben ultrarechtes Gedankengut wieder salonfähig gemacht und so der AfD zu ihrem Erfolg verholfen. Letztlich aber hatte keine Partei eine Lösung des Problems und somit auch nur den Hauch einer Alternative anzubieten. So schließt sich der Kreis, auch die „Alternative für Deutschland“ hat nicht die Spur einer Alternative. Sind wir also alternativlos, müssen wir Angst vor der Zukunft haben.

Meine lieben Leser, wenn es schwer fällt, eine Antwort in der Gegenwart zu finden, hilft zuerst immer der Blick zurück. Mit Nazis haben wir Deutschen unsere Erfahrungen und wirklich keine guten. Aber die Geschichte zeigt auch, dass Nazis, keine wirkliche Gefahr darstellen, so lange sie nicht von mächtigen Kräften unterstützt werden. Es war die deutsche Industrie, ein durch den Versailler Vertrag gefesselter Riese, der in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts einen politischen Vollstrecker ihrer Ziele suchte. Dazu wurden erst einmal alle möglichen Parteien unterstützt, sogar die Kommunisten. Spätestens nach der Rede Hitlers vor Industriellen 1932 in Düsseldorf waren die Würfel gefallen. Hitlers Partei, die NSDAP sollte es sein, die den Job erledigen wird: Das Sprengen der lästigen Versailler Fesseln und zwar auch dann, wenn man dafür über Leichen gehen muss!

Leichen sind, wenn es um Profit geht, immer ein hinnehmbares Risiko, auch wenn es viele sind. Es sollten über 50 Millionen werden! Das Parteiprogramm dazu hieß „Mein Kampf“ und war ein Witz, genau so wie der ganze Nazi-Haufen: Witzfiguren, ernst zu nehmen nur in ihrer grotesken Selbstüberschätzung, politische Dilettanten, die nur so viel „erreichen“ konnten, weil ihre Gegner noch größere Deppen waren. In der Hoffnung, Stalin und die kommunistische Gefahr endlich los zu werden, ließen sie Hitler gewähren, bis sie selbst unter die Räder kamen.


Bildquelle: Bundesarchiv, Bild 183-Z0309-310 / G. Beyer / CC-BY-SA 3.0

Das einzig Große an den Nazis war ihr gigantischer Zusammenbruch! Sie haben wirklich Großartiges für ihr Vaterland geleistet: Sechs Millionen tote Deutsche, vierzehn Millionen Deutsche, Kinder, Frauen und Alte aus ihrer Heimat vertrieben ... Flüchtlinge, ein geteiltes und zerstörtes Restvaterland, das fünfundvierzig Jahre lang von seinen Besiegern ohne einen Friedensvertrag besetzt wurde und für immer die Schmach des „Bösen“ tragen sollte.

Die deutsche Industrie hat aus ihren Fehlern gelernt. Deutsche Unternehmen wissen, dass innovative und qualitativ hochwertige Produkte eine ebenso innovative, fortschrittliche Unternehmensstrukter erfordern. Natürlich, die Industrielobbys arbeiten gut und auch ihnen ist die Agenda 2010 zu verdanken. Verantwortlich für die neuzeitlichen Katastrophen, angefangen von der immer größer werdenden Schere zwischen Arm und Reich, bis hin zu der Entfesselung der Finanzmärkte sind aber die so genannten Volksparteien. In voraus eilendem, blinden Gehorsam schaffen sie sich selbst ab, ohne es zu bemerken. Das traurigste Exemplar ist die inzwischen vollkommen profillose SPD. Das Ergebnis dieser politischen Entwicklung ist die AfD und sie stellt eine große Gefahr für den Wirtschaftsstandort Deutschland dar.

Was tun, ... müssen wir die AfD doch ernst nehmen?

Nein!

Es gibt zwei soziale Gruppen von Menschen, die die AfD wählen: zum einen jede Menge frustrierter Spießer, die alles haben und doch mit nichts zufrieden sind, denen alles zuwider ist, was nicht in ihr engstirniges Weltbild passt. Diese sind jedoch die Minderheit. Die große Mehrheit sind jene 40 Prozent, die nichts mehr haben. Diese Menschen folgen den Rattenfängern aus Resignation, aus Unwissenheit und aus Wut.

In den letzten Jahrzehnten ist die Wahlbeteiligung in Deutschland immer weiter gesunken, es gingen all die Menschen nicht mehr zur Wahl, die sowieso ausgeschlossen waren und von keiner Partei Besserung ihrer Lage erhoffen durften. Mit der Gründung der AfD ist in Deutschland ein Sammelbecken entstanden. Mit den ersten Erfolgen der AfD entstand plötzlich ein Rechtspopulismus von Politikern fast aller Parteien, die sich einen eigenen Nutzen davon versprachen. Sie trieben jedoch nur noch mehr Menschen in die Arme der AfD. Die Wahlbeteiligung in Deutschland stieg, der einziger Gewinner war die AfD. Nach der letzten Wahl hatte Deutschland monatelang keine handlungsfähige Regierung und auch danach stolpert die aktuelle große Koalition von Krise zu Krise. Einig sind sich alle nur in der Angst vor Neuwahlen, denn alle wissen, auch diese hätten nur einen Gewinner, die AfD!

So gehören viele AfD Wähler zu den oben beschriebenen vierzig Prozent. Sie wählen in Großbritannien den Brexit, sie wählen in Frankreich die Front National, diese Menschen wählen in den USA Trump und bei uns eben die AfD. Sie wählen kein politisches Konzept, sie strafen ein Establishment ab, dass sie nicht mehr wahrnimmt.

Aus Armut entsteht irgendwann Wut!
Diese Wut kennt weder Geschlecht noch Religion oder Hautfarbe,
sie hat nur eine einzige Eigenschaft: sie wird immer größer!

Diesen Menschen wird das verfassungsmäßige Grundrecht auf Teilhabe an der Gesellschaft nach und nach entzogen. Ihr Leben am Rand der Gesellschaft wird von einem immer absurderen Transfer- und Sanktionssystem nur noch weiter zementiert. Inzwischen wächst die zweite Generation von Hartz4-Empfängern heran. Diese Kinder saugen die Chancenlosigkeit mit der Muttermilch auf. Das ist unmenschlich, kein Tier tut so etwas seinem Artgenossen an.

Das ist für die Gesellschaft gefährlich. Der französische Schriftsteller Michel Houellebecq formuliert es so:
"Wahrscheinlich ist es für Menschen, die in einem bestimmten sozialen System gelebt und es zu etwas gebracht haben, unmöglich, sich in die Perspektive solcher zu versetzen, die von diesem System nie etwas zu erwarten hatten und einigermaßen unerschrocken auf seine Zerstörung hinarbeiten."(8)

Und ... es ist ganz nüchtern betrachtet, wirtschaftlich unsinnig. Kein Erdölproduzent gießt die Hälfte seines geförderten Öls ins Meer, kein Bauer schmeißt die Hälfte seiner Ernte einfach weg, kein Fußballtrainer läuft nur mit einer halben Mannschaft auf.

Es ist für unsere Gesellschaft gefährlich und wir können es uns nicht leisten, fast die Hälfte unserer menschlichen Ressourcen einfach "wegzuwerfen." Entschuldigen Sie bitte diese drastische Formulierung, aber anders kann man unsere gesellschaftliche Realität nicht bezeichnen. Wir lassen es zu, dass fast der Hälfte unserer Mitmenschen ein sinnvolles, erfülltes Leben verwehrt und die Teilhabe an der Gesellschaft nach und nach entzogen wird.

Das ist das Problem, dafür braucht es eine Lösung,
... die AfD erledigt sich dann ganz von selbst!


Epilog zum Prolog im Mai 2018

Meine Lieben, sicherlich kennen Sie das Gefühl des Selbstzweifels, wenn man sich fragt, ob das alles so richtig ist, was man da aufschreibt und manchmal geschieht dann ein kleines Wunder. Es ist Sonntag, die Sonne scheint, man schlägt den Berliner TAGESSPIEGEL auf und liest ein Zitat aus einem Schreiben, das am 16. Januar 2018 auf den Schreibtischen der Chefetagen von fast allen Großkonzernen in Europa und Amerika lag, darin heißt es:

Die "Besitzer von Kapital haben seit der Finanzkrise enorme Gewinne eingestrichen," ... "gleichzeitig müssen viele Menschen mit geringem Lohnwachstum und unzureichender Altersvorsorge leben." ... "Diese Trends sind die wesentliche Ursache für die Angst und die Polarisierung, die wir in der ganzen Welt beobachten" Deshalb fordert der Autor: Der "finanzielle Erfolg ist nicht der einzige Sinn von Unternehmen," vielmehr "sollten sie auch einem sozialen Zweck" dienen und "allen einen Nutzen bringen, Ihren Aktionären genauso wie Ihren Angestellten und Kunden". Ansonsten würden sie "Ihre Existenzberechtigung verlieren."
"Wir werden die Verantwortung übernehmen, diesen Wandel voran zu treiben."
(8)

Sollte Ihnen noch nicht der Atem stocken, dann vielleicht, weil Sie noch nicht wissen, wer der Autor dieser denkwürdigen Zeilen ist: Es Ist Laurence Fink, Chief Executive Manager von "Blackrock," das ist der größte Finanzkonzern der Welt. Fink & Co verwalten 6.300 Milliarden Dollar Anlagekapital, dass in mehr als 17.000 Unternehmen und in allen börsennotierten Weltkonzernen in Europa und den USA angelegt ist.

Willkommen im Club, Mister Fink, wir freuen uns über jeden Mitstreiter, aber es ist uns natürlich eine ganz besondere Freude und Ehre, Sie begrüßen zu dürfen, als einen der sich auskennt!
Sehr geehrter Herr Fink unser Motto ist ganz alt, stammt vom deutschen Dichter Johann Wolfgang Goethe und lautet, "der Worte sind genug gewechselt, lasst uns nun endlich Taten sehen". Ganz in diesem Sinne warten wir sehnsüchtig auf die, Ihren Worten folgenden Taten. Bitte verzeihen Sie uns unsere Skepsis, die wir sofort ablegen werden, wenn Sie in all "Ihren" Unternehmen einen anständigen Mindestlohn und gewerkschaftliche Mitbestimmung durchgesetzt haben.

Erst einmal bedanken wir uns bei Elisa Simantke und Harald Schumann vom TAGESSPIEGEL für Ihre großartige Arbeit, verlassen uns ansonsten auf unsere eigenen Ideen und schreiten noch munterer ans Werk:

Die Forderungen von günstige-intelligenz.de zur Bekämpfung der AfD: