5. ein Aufbauprogramm für Städte und Dörfer - der New Deal

Auch bei dieser Forderung begeben wir uns erst einmal in die Vergangenheit, erkennen interessante Zusammenhänge und schauen uns mit diesem gewonnenen Wissen die daraus entstandene Gegenwart an. Wir erkennen, was geändert werden muss und beschreiben eine Zukunftsvision.


Bildquelle: discover tuscany

Architektur und Städteplanung haben eine Sprache, Planwerk oder Zufall, Häuser und Plätze drücken etwas aus. Selbst wenn sich niemand irgend etwas dachte, sieht man genau das, nämlich das Fehlen jeglicher Idee!

Bei der Piazza del Campo in Siena einem der schönsten Renaissanceplätze in Europa haben sich die klugen Erbauer eine ganze Menge gedacht, so war das damals! Das den Platz beherrschende Gebäude ist der Palazzo Comunale, ich finde die Übersetzung "Rathaus" unangemessen, also nehmen wir es wörtlich "Palast der Kommune", denn das drückt aus, was es ausdrücken soll, nämlich die Macht des freien Bürgers! Deshalb befindet sich auf dem Platz auch keine Kirche, nur eine ganz kleine Kapelle, man wollte nicht unhöflich sein. Geld spielte keine Rolle, der 102m hohe Torre del Mangia wurde das höchste Gebäude der Stadt und prägt Sienas Stadtbild bis heute, auch das ist kein Zufall. Stellen Sie sich bitte die Wut des Bischofs vor, der den Ausbau des Domes von Siena zum "Duomo Nuovo" nie beenden konnte ... aus Geldmangel! Auch der schöne Brunnen Fonte Gaia ist ein Beweis der Potenz der Bürger, Siena hatte chronischen Wassermangel und es musste nur für den Brunnen eine 25km lange Wasserleitung gebaut werden, wir können es uns eben leisten Herr Bischof! Jetzt schauen wir uns das Foto noch ein wenig genauer an, die Bürgerhäuser, alle von privaten Bauherren errichtet und trotzdem einem einheitlichen, sich selbst auferlegten Gestaltungskanon folgend, das nennt man Stadtplanung. Alle Häuser haben Arkaden, das lädt zum Schlendern, also Kaufen ein, spendet Schatten und spart Grundsteuer, die nach der Fläche des Hauses berechnet wurde. Alle Häuser bestehen aus den gleichen Materialien und haben die gleiche Traufhöhe, also fast alle, wie heißt es so schön: ... alle Menschen sind gleich, nur manche sind ein wenig gleicher und die sind auch ein wenig reicher, ... auch das war immer schon so!

So findet unser menschliches Wesen auf diesem schönen Platz in Siena sowohl Gemeinsamkeiten, das ist das herrschende Prinzip aber auch die kleinen Unterschiede, das ist das Individuum. Das scheinbar selbstverständliche Verschmelzen von gesellschaftlichem Prinzip und individuellem Handeln, also die harmonische Koexistenz beider finden wir schön und fühlen uns wohl. Deshalb fahren so viele Touristen nach Siena ... und nicht nach Berlin Marzahn! Womit wir bei unserem Thema wären!



Bildquelle: pinterest

Auch das Stadtbild deutscher Städte spricht eine Sprache! Wenn ich mich im folgenden mehr auf ostdeutsche Städte beziehe, dann nur deshalb, weil deren "Sprache" etwas deutlicher und somit leichter zu übersetzen ist. Unsere Betrachtungen gelten natürlich für ganz Deutschland, wenn wir regionale Beispiele wählen, dann immer dann, wenn sie etwas besonders gut verdeutlichen. Deshalb ist so oft von Berlin die Rede, nicht als die Hauptstadt Deutschlands, sondern als die deutsche Hauptstadt politischen Komplettversagens! Der Flughafen ist nur die Spitze des Eisberges meine Lieben!

So nun aber endlich zum Thema: Wir unterscheiden zwei Typen von ostdeutschen Städten, die Groß- und die Kleinstadt. In beiden haben wir einen schön sanierten Stadtkern, der je nach der örtlichen Infrastruktur nach Geschäftsschluss mehr oder weniger tot ist! Meine Lieben, um nicht endlos lang zu werden, verknappe ich. Natürlich ist in Erfurt, einer schönen alten Universititätsstadt mehr los als in Hoyerswerda, genau das meine ich mit örtlicher Infrastruktur!

Wir verlassen den sanierten Stadtkern und finden an der Peripherie Neubaugebiete, die nach der Wende allesamt schick saniert wurden. Die DDR-Betonplatte erhielt ein tolles, modernes Wärmeverbundsystem, welches sehr hübsch und sehr farbenfroh angestrichen wurde (siehe Foto) und spätestens nach acht Jahren wunderbar ... schimmelt, was dann so richtig toll aussieht. Jetzt kommen wir zum Unterschied zwischen Groß- und Kleinstädten: das gut verdienende Bürgertum, der Berliner sagt: "die Hottewolaute," wohnt in den Großstädten in schick sanierten Altbaugebieten, während sie in Kleinstädten vorzugsweise in Einfamilienhaussiedlungen vor den Toren der Stadt residiert, also so etwas wie Suburbia! Gemeinsam haben Altbaugebiet und Suburbia die Tatsache, dass die dort wohnenden, gut verdienenden Verantwortungsträger dem dummen Volk die Vorzüge der modernen, globalisierten, digitalen Welt preisen, selbst aber doch lieber wie im guten alten Biedermeier leben!

Wir kommen nur ganz kurz zu unserer Lieblings-Beispielstadt Berlin: der berühmte Prenzlauer Berg war einst ein Arbeiterviertel aber das ist lange her. Heute ist dort SUV-Stau vor der Privatschule und dem Biomarkt. Yoga und Waldorf sind Staatsdoktrin, Amtssprache ist schwäbisch, die armen Kinder sind Statussymbole, tragen Doppelnamen und wachsen zweisprachig auf. Ein Kinderwagen kostet so viel wie ein gebrauchtes Auto, Immobilienverkäufer verdienen sich dumm und dusselig, allein die Bezeichnung "Nähe Kollwitzplatz" spült schon mal 1.000 Euro pro Quadratmeter in die Kasse, ganz egal wie der Gipskartonpalast aussieht. Dazu noch ein teures Klo und Echtholzlaminat und jeder (reiche) Depp zahlt jeden Preis. Dabei ist das, was in den Werbebroschüren steht, "ein lebendiger Kiez mit einer reichen Subkultur" schon so tot, wie die meisten seiner Bewohner. Der Berliner trägt's mit Gelassenheit und zieht weg!

Zurück zum Thema: Also, wir haben die Stadtkerne, die schicken Altbaugebiete, das Suburbia, und die schimmelnden Neubaugebiete und dazwischen: Industriebrachen, ehemalige Hafen- und Eisenbahnflächen einer ehemaligen Industrienation, Baulücken und Restflächen, die für private Investoren und Spekulanten uninteressant sind. Zusammengefasst: jede Menge Platz, Platz für Ideen, Platz für Familien, Platz für Handwerk und Bildung, Lebensraum für selbstbestimmte, zukunftsorientierte Menschen.

Jetzt kommen wir zum Systemvergleich: Die SED-Diktatur ließ die DDR Altstädte verfallen und baute Neubaugebiete. Das war ihr Ideal von einer Wohnungs-"planwirtschaft" mit der damit verbundenen Verteilungs-, Bevormundungs-, Überwachungs-, und letztlich Unterdrückungsbürokratie. Die DDR brach wie die historischen Stadtkerne zusammen und es kam die Wende. Mit Hilfe der Hartz4-Diktatur wurden genau diese Neubaugebiete billig saniert und mit Hilfe einer Verteilungs-, Bevormundungs-, Überwachungs- und letztlich Unterdrückungsbürokratie bis heute am Leben erhalten.

Der aufmerksame Leser wundert sich, denn er weiß, dass ich mich mit dem Begriff "SED-Diktatur" sehr schwer tue, denn dieser Begriff erklärt erstens gar nichts und wird zweitens gern als ideologische Waffe benutzt. In Bezug auf Hartz4 macht der Begriff jedoch durchaus Sinn. Auch Hartz4 ist keine Diktatur, sondern ein Instrument eines demokratischen Staates. Diktatorisch sind beide trotzdem, weil sie defizitorientiert denken, rechtsfreie Räume zulassen, die Menschenwürde einschränken und Teile der Bevölkerung von der gesellschaftlichen Teilhabe ausschließen. Die ideologische Grundlage ist bei beiden ein Misstrauen gegenüber den Menschen, daraus resultiert eine Bevormundung und Überwachung und das führt letztendlich zu Unterdrückung. Und dies kann man am Stadtbild ostdeutscher Städte einfach sehen, so ist das meine Lieben.

Der brandenburgische Rechtsanwalt Thomas Lange vertritt Hartz4 Bezieher und hat die gängige Praxis auf den Punkt gebracht. "Wer so genannte Hartz-IV-Leistungen bezieht und im Eigenheim wohnt, hat es meist sehr schwer, diese zu erhalten. Weil die an die finanzierende Bank zu zahlenden Finanzierungsraten angeblich der Vermögensbildung des Eigentümers dienen, berücksichtigen und übernehmen die Jobcenter diese Tilgungsraten in der Regel nicht. Die Übernahme, so die Jobcenter, würde dazu führen, dass quasi der Steuerzahler das Wohneigentum des Hartz-IV-Empfängers finanziert. Bevor die Jobcenter also das Vermögen der Hartz-IV-Empfänger vermehren, zahlen Sie lieber an die Vermieter und mehren deren Vermögen. Die Rechtsprechung spielt dieses Spiel noch mit, auch wenn das Bundessozialgericht mehr und mehr Ausnahmen zulässt. Hinzu kommt, dass notwendige Instandhaltungsarbeiten von den Jobcentern oftmals nicht oder aber nur sehr schleppend finanziert und Anschaffungskosten für Heizmaterialien nur in dem Rahmen übernommen werden, wie es die Jobcenter als „angemessen“ erscheint. Irgendwann droht dann schließlich der Verlust des Wohneigentums oder der völlige Zerfall der Bausubstanz." (2)

Es ist den Hartz4 Architekten ein Graus, das geringe Privatvermögen von Menschen zu erhalten, die ihre Arbeit meist ohne eigene Schuld verloren haben. Es ist für sie aber selbstverständlich, Milliarden in die Rachen von Miethaien, privaten Immobilienbesitzern und dubiosen Wohnungsgesellschaften zu werfen, die bei der nächsten Finanzkrise von unfähigen Landesregierungen an irgendeinen "Investor" verhökert werden. Wenn auch die Motive sicherlich unterschiedlich sind, so sind letztlich die Politik der SED-Machthaber und der Hartz 4 Architekten die gleiche!

Und was ist die Alternative?

Anstatt eine Bevormundungs-, Überwachungs- und Enteignungsbürokratie von monströsem Ausmaß zu errichten, hätte man auf kommunaler Ebene Wohnungsprogramme organisieren und so zehntausende von Arbeitsplätzen schaffen können.

Deshalb sind wir den weiten Weg über Siena und Marzahn gegangen. Siena steht für die private Initiative von selbstbestimmten, mündigen Bürgern auf der Grundlage eines gemeinschaftlichen Plans, Marzahn steht für eine Planwirtschaft, die ihre Bürger bevormundet und in lebenslanger Abhängigkeit hält. Unsere Städte und Dörfer sind das Abbild genau dieser Politik, die viele Namen hat, einer ist Hartz4. Natürlich kommt der ganze große Blumenstrauß an verfehlter Subventionspolitik, Auswirkungen von Globalisierung, deregulierten Finanzmärkten und vieles mehr dazu. Wir konzentrieren uns hier aber auf eine Alternative zu Hartz4 und kommen zu unserem Reformvorschlag: ein Aufbauprogramm für Städte und Dörfer, dem New Deal.


Bildquelle: © 2018 Google, Kartendaten,© 2018 Geo-Basis-DE/BKG (©2009), Google

Ein zumindest für ostdeutsche Städte typisches Bild: eine innerstädtische Brache, hier zu sehen das 100 Hektar große Gelände des ehemaligen Rostocker Stadthafens, bis heute weitestgehend ungenutzt. Fast drei Jahrzehnte sind seit der Wende vergangen und den Rostocker Stadtplanern fiel bisher nichts anderes ein, als der Ausbau einer vierspurigen Straße und ein Parkplatz. Gähnende Leere bis auf ein paar Wochen Kirmes und die Hanse Sail. Auch das gegenüberliegende Ufer ist ungenutzt. Hier gäbe es genug Platz für ein lebendigen Kiez mit engen Straßen, kleinen Piazzas, Kindergärten, Schulen, Werkstätten, mitten in der Stadt, direkt am Wasser. Lebensraum für schätzungsweise 3.000 Menschen, touristischer Anziehungspunkt und Einnahmequelle für die Stadtkasse. Man muss nur Phantasie und den Willen dazu haben.

Der Anteil an selbst genutztem Wohneigentum ist in Deutschland sehr gering, wir sind europaweit nahezu Schlusslicht. Es herrscht akuter Wohnungsmangel, der soziale Wohnungsneubau liegt am Boden, deutsche Immobilien sind inzwischen eine weltweit gefragte, weil stabile Wertanlage. Die Mieten und die Kaufpreise für Wohnimmobilien haben sich in vielen Teilen Deutschlands, insbesondere in den großen Städten seit 1990 mehr als verdreifacht. Die Einkommen dagegen sind konstant geblieben. Dazu kommt, dass viele deutsche Kommunen, auch dank Hartz4, kurz vor der Pleite stehen. Die wichtigste Einnahmequelle, Handwerkbetriebe und die Kleinindustrie fielen massenhaft dem Effektivitätsanspruch einer globalisierten Wirtschaft zum Opfer. Die Errichtung von Wohneigentum auf kommunalem Grund löst mehrere Probleme gleichzeitig:

- Bewältigung der Wohnungskrise, speziell für Familien mit kleineren Einkommen
- Verringern der Abhängigkeit dieser Familien durch selbst bewohntes Wohneigentum
- Stärken der regionalen Wirtschaft
- Stärkung der Kommunen


günstige-intelligenz.de schlägt einen New Deal für die deutschen Kommunen vor.
Ein Bauprogramm für selbst genutzte Wohn- und Gewerbeimmobilien,
sowie für freie Bildungs- und soziale Träg
er

Das sieht so aus:

1. Die Kommunen erstellen Bebauungspläne für ungenutzte Flächen innerhalb der Kommunen, private Besitzer, die nicht in angemessener Zeit selbst investieren, werden nach §14 Abs.3 Grundgesetz enteignet. Dazu wird ein ergänzendes Investitionsvorranggesetz geschaffen. Die Bebauungspläne sehen eine Mischnutzung aus selbst genutzten Wohn- und Gewerbeimmobilien und Immobilien für freie Träger der frühkindlichen und sonstigen Bildung vor. Dabei sind alle Bildungsträger mit eigenen Versorgungseinrichtungen, sowie Flächen für Werkstätten und Gärten zu planen. Dazu kommen Flächen für Pflege- und Sozialeinrichtungen, auch diese mit eigenen Versorgungseinrichtungen, anzustreben sind generationsübergreifende Synergie- und Nachhaltigkeitseffekte.

2. Die Erwerber von Immobilien, also Familien, vorrangig (ehemalige) Hartz4 Empfänger, Handwerker/Gewerbetreibende und freie Träger erwerben die Immobilien nach einem Erbpachtmodell, das heißt die Immobilien sind nur begrenzt handelbar, Vorkaufsrecht hat immer die Kommune, es besteht die Verpflichtung der Einhaltung der Bebauungspläne, die Verpflichtung zur Beauftragung regionaler Partner für Erstellung und Betrieb der Immobilie. Die Kommune stellt Kreditbürgschaften für Bankkredite. Banken, die sich in wiederholtem Falle weigern, an die Kleininvestoren Kredite zu vergeben, erhalten keine öffentlichen Aufträge mehr.

3. Die Bebauungspläne orientieren sich an der historischen Stadtplanung, sind kleinteilig, sie beachten die Mischnutzung und lassen bei der Art der Nutzung Gestaltungsspielraum. Es wird ein Gestaltungskanon aus architektonischen Elementen und der zu verwendenden Baustoffe und -materialien erarbeitet. Dabei sind regionale Besonderheiten, sowie moderne Energiekonzepte besonders zu fördern. Die Verkehrsflächen sind so zu bemessen, dass vorrangig alternative Verkehrskonzepte eingesetzt werden können.

4. Besondere Augenmerk gilt der Förderung der kommunalen Wirtschaft und dem Handel innerhalb der Kommune und benachbarten Kommunen und Landkreisen. Dazu werden geeignete Maßnahmen ergriffen wie zum Beispiel die Einführung von so genanntem "Knochengeld", also Tauschwährungen mit begrenztem regionalem Gültigkeitsbereich sowie Steueranreize, lesen Sie dazu auch das Kapitel Steuern Punkt 8


Der New Deal für ländliche Gebiete

Die Fehlentwicklungen bei landwirtschaftlichen Subventionen und die Globalisierung haben das klassische Dorf als vollfunktionsfähigen Wirtschafts- und Lebensraum nahezu vollständig aussterben lassen. Die heutigen Dörfer sind Wohnanlagen ohne Infrastruktur. Es gibt keinen Dorfladen, keinen Arzt, keine Dorfschule, keine Kneipe. Der Lebensraum Dorf ist nicht mehr vorhanden, das Ergebnis ist eine große Landflucht, ländliches Wohnen ist nur noch ein Wochenend- und Freizeitvergnügen. Durch das Absterben der landwirtschaftlichen Kleinbetriebe gehört auch der Bauer zu einer aussterbenden Art. Kleinteilige Biolandwirtschaft und engagierte regionale Erzeuger sind Hoffnungsschimmer, die unbedingt unterstützt werden müssen.

Es gibt ein Problem. Durch Bodenspekulation und den Anbau von Energiepflanzen sind in den letzten Jahren die Bodenpreise explodiert. Ein Hektar Acker in Brandenburg kostete nach der Wende 500 DM, heute kostet der selbe Boden 20.000 Euro, das ist das 80fache. Spitzenreiter ist Bayern mit einem Bodenpreis von fast 50.000 Euro.(3) Ich gebe ungern zu, für dieses Problem keine Lösung zu haben, Enteignung nach §14 GG wird kaum möglich sein, das Land abkaufen, würde unvorstellbare Ressourcen erfordern und die Preisspirale weiter antreiben. günstige-intelligenz.de wird einen Vorschlag erarbeiten, wie auch auf dem Land der Kauf von geeigneten Flächen für landwirtschaftliche Kleinbetriebe zu finanzieren ist.

1. Es werden Bebauungspläne für ländliche Gebiete erstellt, die Dorfkerne werden kleinteilig wieder mit einer Mischung aus Wohnen, Versorgen und Bilden wieder belebt. Landwirtschaftliche Kleinbetriebe und landwirtschaftliches Handwerk, also Verarbeitungs- und Servicebetriebe werden besonders gefördert fördern. Bei Bildungs- und sozialen Trägern wird auf eine enge Verbindung zu der neu entstehenden dörflichen Wirtschaft besonderer Wert gelegt.

2. Durch die Förderung des regionalen Handels erhalten diese Betriebe eine Überlebenschance. Dazu bedarf es aber eines ganzen Systems aus Förderung aller Elemente dieses Handelns. Die Küche einer Grundschule kann nur denn die teureren Produkte aus dem benachbarten Dorf verarbeiten, wenn der freie Träger dazu die Mittel hat. Der Schmied im Dorf kann nur überleben, wenn er vom städtischen Gymnasium auch einen Lehrauftrag für Workshops bekommt. Das ganze System funktioniert nur bei einer funktionierenden Nachfrage, also potenten Käufern, die nicht nur das Bewusstsein, sondern auch das Portemonnaie haben, die Produkte und Dienstleistungen aus der Region zu kaufen.

Pause! ... Durchatmen!

Meine Lieben, wir legen zwei neue Werkzeuge in unseren immer größer werdenden Werkzeugkasten: den New Deal Stadt und den New Deal Land. Mit diesen Werkzeugen lassen sich so viele Probleme lösen. Neben der effektiven exportorientierten, deutschen Industrie auf Weltniveau entstehen regionale Wirtschaften, die zwar "uneffektiv" aber menschlich sind. Es gibt so viele Bereiche des menschlichen Lebens, die sich nicht effektivieren lassen: Bildung, Pflege, Handwerk, die Erhaltung unserer natürlichen Umwelt. Dazu bedarf es gut ausgebildeter, selbst bewusster Menschen, für die ein erfülltes Leben nicht nur mit dem Verdienst identisch ist. Schuhe, die vom Schuster an der Ecke hergestellt werden und nicht in Plastik verpackt um die ganze Welt fahren, sind schön und halten fast ein Leben lang. In den neu entstandenen Stadtzentren braucht man keine Polizei, es wird keinen Vandalismus geben. Die Generationen leben gemeinsam, die Alten kochen für die Kleinen, die Schüler helfen bei der Ernte.

Ist das kitschig, nein ist es nicht, wir haben uns nur abgewöhnt, an so etwas zu glauben. Es gibt so viele Ideen, es gibt so viele hoffnungsvolle Ansätze, es gibt so viel Wissen. Das alles muss nur wachsen können, dazu brauchen wir den Glauben an den freien Menschen und eine kleine Systemveränderung, mit der wir endlich Bevormundungen, Überwachungen und Unterdrückungen hinter uns lassen.

Liebe Leser, von Goethe stammt das Motto: "der Worte sind genug gewechselt, lasst uns nun endlich Taten sehen". Sie liebe Leser, sind bis hierher aufmerksam gefolgt und haben eine kleine Pause verdient. Wir gestatten es uns, ein wenig zu träumen: Wir geben uns unserer Vision vom "New Deal Stadt" und den "New Deal Land" hin und lauschen dem Altmeister Goethe, der dazu die richtigen Worte gefunden hat

Ein Sumpf zieht am Gebirge hin,
Verpestet alles schon Errungene.
Den faulen Pfuhl auch abzuziehen,
Das letzte wär das Höchsterrungene.
So eröffne ich Räume vielen Millionen,
Nicht sicher zwar, doch tätig frei zu wohnen.
Grün das Gefilde, fruchtbar! Mensch und Herde
Sogleich behaglich auf der neusten Erde.
Als Gleiche angesiedelt an des Hügels Kraft,
Den aufgewälzt kühn-emsige Völkerschaft!
Im Innern hier ein paradiesisch Land,
Da rase draußen Flut bis auf zum Rand,
Und wie sie nascht, gewaltsam einzuschießen,
Gemeindrang eilt, die Lücke zu verschließen.
Ja! diesem Sinne bin ich ganz ergeben,
Das ist der Weisheit letzter Schluss.
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss!
Und so verbringt, umrungen von Gefahr,
Hier Kindheit, Mann und Greis sein tüchtig Jahr.
Solch ein Gewimmel möcht ich sehn,
Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn!
Zum Augenblicke dürft ich sagen:
Verweile doch, du bist so schön!
Es kann die Spur von meinen Erdentagen
Nicht in Äonen untergehn. –
Im Vorgefühl von solchem hohen Glück
Genieß ich jetzt den höchsten Augenblick …


Epilog vom September 2018:

Unsere Bundeskanzlerin hat den Ernst der Lage erkannt und möchte 5 Milliarden Euro für Wohnungen investieren. Sehr gut, Frau Merkel, auch Sie begrüßen wir in unserem kleinen Klub der Weltverbesserer. Wir haben noch nicht gehört, wie sie investieren wollen, aber wir befürchten, dass das Geld in einer Bürokratie versandet und letztlich wieder nur denen zu Gute kommt, die für die Wohnungskrise zumindestens mit verantwortlich sind: Immobilienbesitzern und Wohnungsbaugesellschaften.

Hier unser Vorschlag: Die Förderung des Baus von selbst genutzten Eigentumswohnungen auf kommunalem Pachtland für Familien mit kleinen Einkommen, z.Bsp. Hartz4 Empfängern.

Wie viele Wohnungen ließen sich so realisieren? Wir gehen von 5 Milliarden Euro aus, bei der derzeitigen Finanzmarktlage lassen sich diese als Hebel nutzen und über private Investoren ca. 20 Milliarden Euro generieren. Für 250.000 € lässt sich bei geschickter Planung und Ausführung eine moderne, wenn auch einfache Wohnung erstellen, vorausgesetzt, der Baugrund wird von der Kommune gepachtet. Das sind 80.000 Wohnungen, in Worten liebe Frau Merkel: achtzigtausend Wohnungen, bei 2-3 Kindern pro Familie sind das etwa 300.000 Menschen, die von steigenden Mieten unabhängig werden und den wichtigsten Schritt in die dauerhafte Unabhängigkeit gehen: eine eigene Wohnung.

Platz ist genug da, wo kein kommunales Land zur Verfügung steht und private Grundbesitzer sich weigern zu verpachten, greifen §14 Abs. 2 & 3 Grundgesetz oder noch besser, Ihre große Koalition verabschiedet ein Investitionsvorranggesetz für Wohnraumerstellung. So geht das Frau Merkel! Wir warten gespannt, was bei Ihnen herauskommt!



Kommentare


Einloggen oder Registrieren um einen Kommentar zu schreiben