2. Umwandlung aller Bildungsträger in selbst verwaltete freie Träger

Schon wieder ein Vorwort

Bevor wir mehr über den freien Träger erfahren, lassen Sie mich noch eine Bemerkung zu dem Benutzer des Bildungsgutscheines nachreichen. Aus dem „Bettler,“ der heute beim Kitagutschein eine komplizierte zeit- und kraftraubende und zum Teil entwürdigende Antragsprozedur über sich ergehen lassen muss, wird nach unserer Reform ein mündiger Bürger, der den Bildungsgutschein, also das Werkzeug, das ihm für die Ausübung seines verfassungsmäßig zustehenden Grundrechts auf Bildung zusteht, ohne jeden Aufwand bekommt. Wir betonen wieder, dass die für die Vergabe des Kitagutscheins verantwortlichen Mitarbeiter in den Bürgerämtern oft vorbildlich und engagiert arbeiten und fast immer im Interesse der Antragsteller handeln. Es sind nicht die Menschen, es ist das System, dass in diesem, wie in vielen anderen Bereichen, einfach nicht funktioniert.

Nun zu unserer zweiten Forderung:

  1. Alle bestehenden Bildungsträger werden in die freie Trägerschaft überführt.
  2. Jeder mündige Bürger, jeder Zusammenschluss von mündigen Bürgern, etwa Elterninitiativen, jede auf dem Boden der Verfassung stehende Organisation hat des Recht, einen freien Bildungsträger zu gründen.
  3. Bei Vorliegen aller notwendigen Voraussetzungen des Bildungsträgers finanziert die Kommune den Bau und die Ausstattung des neu entstehenden Bildungsgebäudes vom Kindergarten bis zur Universität. Die dafür nötigen Mittel sind langfristig in die Haushalte einzustellen.
  4. Die Miete für Mietobjekte wird gesetzlich festgelegt, für Kaufobjekte werden staatliche Kredite bereit gestellt.

Schon heute gibt es ein breites Spektrum freier Bildungsträger, von Kommune zu Kommune, von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich. Sie finanzieren sich entweder als Privatschulen über zum Teil immense Schulgelder, sie werden von Elterninitiativen, von kirchlichen oder sozialen Trägern finanziert und haben alle eines gemeinsam: Sie hängen mehr oder weniger am Tropf des Bildungsministerium des jeweiligen Bundeslandes, dass die Gesetze je nach Windrichtung verändern kann. So geschieht es, wie jüngst im Land Brandenburg, dass trotz erfolgreicher Arbeit und großer Nachfrage nach freien Bildungsträgern per Gesetz Neugründungen praktisch unmöglich gemacht werden. Fast alle freien Träger, die keine elitären Beitragssätze fordern, wandeln am Rande des wirtschaftliche Ruins und sind auf die selbstausbeuterische, aufopferungsvolle Arbeit der Eltern und Mitarbeiter angewiesen.

Letztendlich geht es darum, das verfassungsmäßige Recht auf Bildung endlich in der notwendigen Qualität durchzusetzen und durch Herausgabe der Bildungsgutscheine zu einem Recht auf Gründung und Betrieb eines freien Bildungsträgers zu erweitern und so die Bildungsgerechtigkeit wieder oder überhaupt herzustellen. Bildungsforscher kritisieren seit Jahrzehnten die mangelnde Diversität des deutschen Bildungssystems, freie Träger sind ein wirksames Instrument, diesen Zustand endlich zu ändern.

Schauen wir uns an, wie der freie Träger der Zukunft funktioniert. Es gibt die pädagogische Leitung, ähnlich der heutigen Struktur, dazu kommt für jede Schule ein eigenes Management für Ökonomie und Organisation. Die freien Träger allein entscheiden über die Einstellung von Personal aber auch über Cateringlieferanten, Dienstleistungsverträge und Kooperation mit Partnern aus der Umgebung. Schulen können eigene Restaurants betreiben, die auch für die Nachbarn offen sind, von regionalen Erzeugern beliefert werden und in denen sich verschiedene Generationen treffen, Werkstätten, in denen regionale Partner mit den Kindern zusammen arbeiten und praktisch lernen. So können zusätzliche Einnahmen generiert und Drittmittel eingeworben werden.
Die Schule wird zu einem lebendigen Bestandteil einer lebendigen Kommune.

Die Form des freien Trägers eröffnet nicht nur neue Möglichkeiten in der Organisation des Lernens sondern auch für dessen Inhalte. Ein denkbares Beispiel, in Gymnasien wird ein neues Fach eingeführt: „Schulverwaltung,“ in dem die Schüler lernen, ihre eigene Schule zu verwalten. Die Schüler wachsen so im praktischen Handeln und Lernen in die soziale Marktwirtschaft hinein. In einem solchen Gymnasium wird es keinen Vandalismus und keine sinnlosen Investitionen geben. Professor Günter Faltin von der FU Berlin gründete 1985 die „Teekampagne,“ ein Handelsunternehmen für Tee. Ziel war ein praxisnaher Unterricht der Studenten im Fach Betriebswirtschaft. Nur zehn Jahre später war die Teekampagne nach Angaben des "Tea Board of India" größter Importeur von Darjeeling-Tee weltweit. Zu solchen Leistungen sind Lernende fähig. Schüler brauchen gerade in der Pubertät Verantwortung. Die Kleinen lernen von den Großen, die Großen lernen, die Kleinen einzubeziehen. Das ist effektiv, das ist spannend, das ist eine optimale Vorbereitung auf die berufliche Bildung, das ist günstig und intelligent!


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