6. Abschaffung der Landesinstitute für Schule & Medien und Gründung entsprechender Bundesinstitute

Heutzutage werden die Rahmenlehrpläne von Instituten der Länder entwickelt und danach vom jeweiligen Kultusministerium erlassen wodurch sie Gesetzescharakter erhalten. So weit so gut, jetzt aber, liebe Leser kommt die Lücke im System: die Landesinstitute formulieren nebulös, dass die Rahmenlehrplane nur das Korso bilden, in dem die Lehrmittelhersteller bis hin zu den Lehrkräften die Freiheit haben, ihre individuellen Ansätze zu verwirklichen. Achso: Freiheit, das klingt immer sehr gut! In Wirklichkeit steht ein nackter Mann vor einem leeren Kleiderschrank und hat die Wahl zwischen nichts, nichts oder vielleicht doch ... nichts!

In Wahrheit gibt es in der heutigen Struktur keine Institution, die die erforderlichen finanziellen, materiellen und personellen Ressourcen besitzt, um die Erfordernisse der Rahmenlehrpläne mit den neusten Erkenntnissen der Bildungsforschung zu vereinen um so verbindliche inhaltliche, methodische und fachübergreifende Vorgaben zu generieren.

Meine lieben Leser, bei den Begriffen „inhaltlich“ und „methodisch“ liegt sicherlich auf der Hand, was gemeint ist. Mit fachübergreifend meine ich, dass es für das Gesamtergebnis „Lernen“ immer wichtiger wird, ein anwendbares Allgemeinwissen zu besitzen, in dem die einzelnen Fachgebiete zu einem Ganzen verschmelzen. Die Zeit der „Fachidioten“ ist vorbei, die entscheidenden wirtschaftlichen Entwicklungen geschehen „cross-over,“ also aus der Verschmelzung verschiedenster Wissensgebiete.

Es ist der Staat, der sich um die Verantwortung drückt und die Aufgabe, wissenschaftlich fundierte Lehrmethoden und Lehrmaterialvorgaben zu erstellen privatwirtschaftlichen Unternehmen überlässt, der diese gar nicht oder nur in Ansätzen leisten können. Kein Schulbuchverlag kann sich eine Entwicklungsabteilung leisten, die in der Lage ist, die oben genannten Forderungen zu erfüllen.

Deshalb fordert günstige-intelligenz.de: Die neu zu bildenden Bundesinstitute für Schule & Medien lösen die bestehenden Landesinstitute ab und erstellen sowohl die Rahmenlehrpläne, als auch konkrete inhaltliche, methodische und fachübergreifende Vorgaben, wie die Rahmenlehrpläne umzusetzen sind. Dazu werden die neuen Bundesinstitute entsprechend der neuen Aufgaben mit ausreichenden Ressourcen ausgestattet. Es gibt mindestens zwei von ihnen, die untereinander im Wettbewerb stehen. Alle Bundesinstitute haben regionale Abtteilungen in jedem Bundesland, diese sind für die regionalen Lehrinhalte zuständig.

Aufgrund der Vorgaben der Bundesinstitute stellen Lehrmittelhersteller ihre Lehrmittel her, die danach von einem Bundesinstitut zertifiziert werden müssen. Umgekehrt können Lehrmittelhersteller auch Eigenentwicklungen zertifizieren lassen. So werden alternative Lehrformen von Waldorf bis Montessori dem allgemeinen Niveau angepasst, können aber ihre Eigenständigkeit behalten.

Bei der Arbeit der neuen Bundesinstitute sind drei Aspekte wichtig:

  1. Anbindung an die Forschung: Die Bundesinstitute sind direkt mit der Forschung verbunden, genauer gesagt, es gibt eine enge Verzahnung zwischen Forschung und Lehrmittelentwicklung bzw. Lehrplangestaltung in beide Richtungen. Von der Theorie der Forschung zur Praxis und ganz wichtig auch die Rückkopplung von der Praxis zur Forschung. Der Bildungsstandort Deutschland kann es sich einfach nicht leisten, dass Forschungsergebnisse Jahrzehnte brauchen, bis sie im Bildungsalltag ankommen. Andererseits ist gerade die Rückkopplung aus dem Schulalltag wichtig für die Überprüfung und Weiterentwicklung der Forschungsergebnisse. Ein Beispiel: Der Hirnforscher Prof. Gerald Hüther erforscht seit Jahrzehnten die Vorgänge im Gehirn beim Lernen. Er kann nachweisen, welche Lehrmethoden funktionieren und welche eben nicht. Gerald Hüther berät Schulen, Industrieunternehmen und auch die Bundesregierung. Bis seine revolutionären Erkenntnisse im „normalen“ Schulalltag Einzug halten, werden wahrscheinlich noch Jahrzehnte vergehen, das kann, das muss schneller gehen!
  2. marktwirtschaftlicher Wettbewerb: Es sollten mindestens zwei Institute gegründet werden, die untereinander im Wettbewerb stehen. So entsteht ein neuer „Föderalismus,“ der sich nicht an barocken Landesgrenzen festmacht, sondern an Inhalten und an Konzepten. So wird ganz nebenbei sogar im Bildungssektor die pseudoszialistische Planwirtschaft überwunden und die soziale Marktwirtschaft findet Einzug. Der heutige „Lehrmittelmarkt“ ist bei genauerem Hinsehen nämlich gar kein Markt, sondern auch eine Form der Planwirtschaft und was noch schlimmer ist, er findet auf dem „Rücken“ unserer armen Schüler und Lehrer statt. Ein „Markt“ setzt ein Realisieren der Produkte durch selbstbestimmte Konsumenten voraus, die frei in ihrer Entscheidung sind und vor allen Dingen immer wider neu entscheiden können. Das ganze Gegenteil ist heute in der Bildung der Fall.
  3. Anwendung der Vorgaben und Bewertung der Bundesinstitute: Die Vorgaben der Bundesinstitute erhalten so wie heute Gesetzescharakter aber die Lehrmittelhersteller haben die Wahl zwischen mindestens zwei Alternativen. Der Markt entscheidet, welches Bundesinstitut den größeren Zuspruch hat und wie effektiv und erfolgreich es selbst arbeitet. Das ist funktionierende Demokratie: Es gibt den Entscheidungsweg von oben nach unten und es gibt den Weg von unten nach oben. Beide Ebenen müssen ihr Produkte auf einem freien Markt realisieren, so entsteht Effektivität und Innovation.

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