7. Reform der Lehrmittelherstellung auf Basis der Vorgaben der Bundesinstitute

So, der nächste Schritt: Wir denken uns in die Zukunft und stellen uns vor, die in Forderung 6 beschriebenen Institute sind Realität geworden. Auf der Basis der verbindlichen Vorgaben der Bundesinstitute stellen die freien, privatwirtschaftlich organisierten Schulbuchverlage die verschiedenen Lehrmittel, Schulbücher, Arbeitshefte etc. her. Sie allein entscheiden über die Gestaltung, über die Aufmachung, welche Illustratoren etc. Hier herrscht bereits heute die Marktwirtschaft und das ist gut und richtig.

Wir hätten die beiden Reformpunkte auch zusammen fassen können, dann wäre aber das Reformziel nicht so klar heraus gekommen: Lehrmittelhersteller wie Schulbuchverlage sind durchaus in der Lage hochwertige, spannende, sinnlich anregende und schöne Lehrmittel herzustellen, dazu haben sie die Erfahrung und ihr Netzwerk. Sie haben aber nicht die Ressourcen aufgrund der Rahmenlehrpläne die geeignete Methodik und Didaktik zu entwickeln. Dazu braucht es ganz andere Kapazitäten und es ist die Aufgabe der Gesellschaft, zum einen die entsprechenden Forschungsinstitute und Universitäten zu finanzieren, aber auch dafür zu sorgen, dass die Forschungsergebnisse für die Bildung anwendbar und verbindlich sind, also Gesetzescharakter haben.
Deshalb haben wir die beiden Forderungen separiert: Forderung 6 richtet sich an die Politik und diese Forderung 7 richtet sich an den Markt: Ganz nach unserem Motto, die Politik macht der Staat, die Wirtschaft der Markt, so geht Demokratie.

Mit beiden Forderungen schließen wir endlich die Kluft zwischen Bildungsanforderung und Bildungsverwirklichung. Ein Schulbuch ist eben mehr als ein Kinderbuch und genau dieses Mehr können Schulbuchverlage nur ungenügend leisten, da ist der Bund mit seinen Instituten gefordert.

Es entsteht ein weiterer positiver Effekt: ein freier Markt der Lehrmittel. Die zur Zeit gängige Praxis ist, dass die Schulkonferenz oder ein anderes Gremium aus der Fülle der möglichen Lehrmittel jeweils eines aussucht und dies dann für alle Schüler der jeweiligen Schule verbindlich vorschreibt. Das ist heute sehr sinnvoll, denn die Bücher sind so unterschiedlich, dass die Schüler einer Klasse kaum zusammen an einem Thema arbeiten könnten. Sind die Bücher aber nach dem gleichen Schema aufgebaut, können die Schüler und Eltern frei wählen. Sicherlich wird es immer Empfehlungen der Schule oder des Lehrers geben, aber es sind Empfehlungen, nicht mehr und nicht weniger!
So wird auch diese Reform ein wichtiger Puzzlestein auf dem Weg von einer sozialistischen Bildungs-Planwirtschaft hin zu einem sozialen Bildungs-Markt.

Diesmal ein Epilog
Liebe Leser, ich möchte Ihnen an dieser Stelle meine Nummer 1 unter den schlechtestes Lehrbüchern vorstellen: ein Einführungsbuch Lehrfach Chemie, Klassenstufe 7. Die Kinder gehen auf das Gymnasium, neue Lehrer, neue Schüler und neue Unterrichtsfächer: Chemie, das ist eine faszinierende Wissenschaft und ein Unterrichtsfach, bei dessen Einführung leuchtende Kinderaugen zum Pflichtprogramm gehören sollten: Explosionen, Feuer, Verfärbungen, Ausfällreaktionen. Der Chemielehrer könnte ein Feuerwerk im wahrsten Sinne des Wortes veranstalten und die Schüler so von Anfang an für ein neues Fach begeistern.

Man kann aber auch besagtes Lehrbuch aufschlagen und erfährt auf den ersten beiden Seiten: „ die positive Seite der Chemie“ und „die negative Seite der Chemie,“ ... Stirnrunzeln, es geht Ihnen so wie mir, liebe Leser: ... was soll das? Seit wann hat eine Naturwissenschaft gute und schlechte Seiten?! Ist sie manchmal lieb und manchmal böse?!
So und jetzt kommt’s: "die positive Seite der Chemie: ... ein Bild mit irgendwelchen Plastikgegenständen ... und jetzt: "die negative Seite der Chemie" : ... Das Bild eines Tankerunglücks!“ Entschuldigen Sie bitte meine Wortwahl: wie „Matsch in der Birne“ muss man eigentlich sein, um solchen himmelschreienden Unsinn zu verzapfen: Das ist sprachlicher Unsinn, das ist logischer Unsinn, das ist inhaltlicher Unsinn, das ist in jeder erdenklichen Hinsicht Unsinn. Das ergibt nur einen einzigen Sinn: den Schülern von Anfang an eine spannende Naturwissenschaft so richtig gründlich zu vergraulen!
(Ich habe dieses Buch damals leider nicht gleich festgehalten und suche es bisher vergeblich, ich verspreche es Ihnen zu zeigen, sobald ich es habe, es ist einfach unglaublich!)

Unsere armen Kinder, weg mit diesen Büchern ... in die Tonne!

Solche Bücher sind lebensgefährlich für eine Volkswirtschaft mit einer leistungsstarken Chemieindustrie und dem entsprechenden Nachwuchsbedarf. Die „Liste der traurigen Schulbücher“ lässt sich unendlich fortführen: ich habe viele Mathematikbücher gesehen, nach deren Lektüre ich eine quadratische Funktion auch nicht begreifen würde.
Auch an dieser Stelle wiederhole ich mich gerne, natürlich gibt es auch viele schöne, methodisch und gestalterisch wertvolle Lehrbücher, aber auch sie entstehen trotz und nicht wegen eines Systems. Das System muss reformiert werden und zwar schnell!

Bei mathematischen Beweisen schreibt man am Ende: "w.z.b.w., was zu beweisen war" oder die ganz Schlauen: "q.e.d., quod erat demonstrandum."


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