7. Reform der Lehrmittelherstellung auf Basis der Vorgaben der Bundesinstitute

Auf der Basis der verbindlichen Vorgaben der steuerfinanzierten Bundesinstitute erstellen die freien privatwirtschaftlich organisierten Schulbuchverlage die verschiedenen Lehrmittel, Schulbücher, Arbeitshefte etc. her. Sie allein entscheiden über die Gestaltung, über die Aufmachung, welche Illustratoren etc. Hier herrscht bereits heute die Marktwirtschaft und das ist gut und richtig.

Wir hätten die beiden Reformpunkte auch zusammen fassen können, dann wäre aber das Reformziel nicht so klar heraus gekommen: Lehrmittelhersteller wie Schulbuchverlage sind durchaus in der Lage hochwertige, spannende, sinnlich anregende und schöne Lehrmittel herzustellen, dazu haben sie die Erfahrung und ihr Netzwerk. Sie haben aber nicht die Ressourcen aufgrund der Rahmenlehrpläne die geeignete Methodik und Didaktik zu entwickeln. Dazu braucht es ganz andere Kapazitäten und es ist die Aufgabe der Gesellschaft, zum einen die entsprechenden Forschungsinstitute und Universitäten zu finanzieren, aber auch dafür zu sorgen, dass die Forschungsergebnisse für die Bildung anwendbar und verbindlich sind, also Gesetzescharakter haben. Ganz nach unserem Motto, die Politik macht der Staat, die Wirtschaft der Markt, so geht Demokratie.

So schließen wir endlich die Kluft zwischen Bildungsanforderung und Bildungsverwirklichung. Ein Schulbuch ist eben mehr als ein Kinderbuch und genau dieses Mehr können Schulbuchverlage nur ungenügend leisten, da ist der Bund mit seinen Instituten gefordert.

Liebe Leser, ich möchte Ihnen an dieser Stelle nicht meine Nummer 1 unter den schlechtestes Lehrbüchern vorenthalten: ein Einführungsbuch Lehrfach Chemie, Klassenstufe 7. Die Kinder gehen auf das Gymnasium, neue Lehrer, neue Schüler und neue Unterrichtsfächer: Chemie, das ist eine faszinierende Wissenschaft und ein Unterrichtsfach, bei dessen Einführung leuchtende Kinderaugen zum Pflichtprogramm gehören sollten: Explosionen, Feuer, Verfärbungen, Ausfällreaktionen. Der Chemielehrer könnte ein Feuerwerk im wahrsten Sinne des Wortes veranstalten und die Schüler so von Anfang an für ein neues Fach begeistern.

Man kann aber auch besagtes Lehrbuch aufschlagen und erfährt auf den ersten beiden Seiten: „die positiven Seiten der Chemie“ und „die negativen Seiten der Chemie,“ ... Stirnrunzeln, es geht Ihnen so wie mir, liebe Leser: ... was soll das? Seit wann hat eine Naturwissenschaft gute und schlechte Seiten?! Ist sie manchmal lieb und manchmal böse?!

So und jetzt kommt’s: „die positive Seite der Chemie: ... ein Bild mit irgendwelchen Plastikgegenständen ... und jetzt: „die negative Seite der Chemie: ... ein Tankerunglück!“ Entschuldigen Sie bitte meine Wortwahl: wie „Matsch in der Birne“ muss man eigentlich sein, um solchen himmelschreienden Unsinn zu verzapfen: Das ist sprachlicher Unsinn, das ist logischer Unsinn, das ist inhaltlicher Unsinn, das ist in jeder erdenklichen Hinsicht Unsinn. Das ergibt nur einen einzigen Sinn: den Schülern von Anfang an eine spannende Naturwissenschaft so richtig gründlich zu vergraulen!

Unsere armen Kinder, weg mit diesen Büchern ... in die Tonne!

Solche Bücher sind lebensgefährlich für eine Volkswirtschaft mit einer leistungsstarken Chemieindustrie und dem entsprechenden Nachwuchsbedarf. Die „Liste der traurigen Schulbücher“ lässt sich unendlich fortführen: ich habe viele Mathematikbücher gesehen, nach deren Lektüre ich eine quadratische Funktion auch nicht begreifen würde.

Auch an dieser Stelle wiederhole ich mich gerne, natürlich gibt es auch viele schöne, methodisch und gestalterisch wertvolle Lehrbücher, aber auch sie entstehen trotz und nicht wegen eines Systems. Das System muss reformiert werden und zwar schnell!

Bei mathematischen Beweisen schreibt man am Ende: "w.z.b.w., was zu beweisen war" oder die ganz Schlauen: "q.e.d., quod erat demonstrandum."


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