Energie und Umwelt

PROLOG

Meine lieben Leser, wer das Kapitel Gleichberechtigung & Familie oder in der Systemthorie die „Neue Dreifaltigkeit des Kapitals“ gelesen hat, wird es gar nicht erwarten können zu erleben, wie auch die Ökologie vollständig in den Reproduktionsprozess des Kapitals integriert werden kann. Sie werden staunen.

Unsere Philister schreien auf, man kann doch einen Blauwal nicht zur Ware machen, die Experten schütteln ihre Köpfe und melden ihre Bedenken an. Jeder muss tun, was er tun muss, wir gehen frisch ans Werk und lösen die Probleme, es ist höchste Zeit! Ein paar Thesen zum Warmwerden.
Erst, wenn es ökonomisch sinnlos ist, Regenwälder abzuholzen, werden brasilianische Baumfäller arbeitslos.
Erst, wenn es ökonomisch sinnlos ist, Pflastersteine von China nach Bremen zu schippern, werden philippinische Reeder arbeitslos.
Erst wenn es ein strafbares Eigentumsdelikt ist, einen Wal zu töten, kommen japanische Walfänger dorthin, wo sie hingehören, in den Knast.

Wie machen wir das? Wir benutzen eines unserer geistigen Werkzeuge und befreien das kapitalistische System von seinen feudalistischen und sozialistischen Verzerrungen.
Die kostenlose Verbrennung von Sauerstoff, also dessen feudalistische Aneignung, war so lange kein Problem, so lange es genug Regenwälder gab, die Sauerstoff produzierten und nicht so viele chinesische Kohlekraftwerke oder deutsche SUVs, die immer größere Mengen von Sauerstoff verbrennen. Diese goldenen Zeiten sind vorbei, das zwitschern die Spatzen von den Dächern. Pro Minute werden immer noch 35 Fußballfelder Regenwald abgeholzt (1) und der Sauerstoffhaushalt der Erde steht kurz vor dem Kippen. Selbst dem letzten Hardliner, für den die Erde immer noch eine Scheibe ist, geht langsam die Puste aus, in des Wortes wahrster Bedeutung! Also warum soll Sauerstoff länger umsonst sein, lasst uns den Sauerstoff zur Ware machen und diejenigen dafür bezahlen die ihn herstellen und diejenigen bezahlen lassen, die ihn verbrauchen. Technisch ist die Menschheit dazu in der Lage, also gibt es keinen Grund dafür, warum man für ein Kilogramm Getreide etwas bezahlen muss, für ein Kilogramm Sauerstoff aber nichts! Der Besitzer eine Getreidefeldes ist ein Getreideproduzent und der Besitzer eine Waldes ist ein Sauerstoffproduzent, wo ist da der Unterschied? Man kann Sauerstoff nicht sehen und nicht wiegen? Na klar, weil die Erde eine Scheibe ist oder was? Selbstverständlich können wir heute sehr genau ausrechnen, wie viele Tonnen Sauerstoff ein Hektar Wald produziert.

Nächstes Beispiel: Jeder, der seinem Müll wegbringt, muss die Müllabfuhr für dessen fachgerechte Entsorgung bezahlen, eine Tischlereiwerkstatt zahlt mehr als eine Omi in ihrer Einraumwohnung. Ein Sondermüllproduzent zahlt mehr als ein Kindergarten. Warum pusten dann alle Verbrennungsmaschinen ihr Kohlendioxid umsonst in die Luft. Auch den Kohlendioxidausstoß eines Volkswagens kann man auf das Gramm genau ausrechnen. Man sollte dies vielleicht nicht gerade VW-Managern überlassen, aber man schickt ja auch keinen Bankräuber zum Geldabholen!

Unsere Experten stimmen einen Chor an, ja aber es gibt ihn doch schon den Emissionshandel! Da wären wir wieder beim Bankräuber: der weltweite Emissionshandel wurde so schnell zur Lizenz des illegalen Geldruckens, da wird unser kleiner Bankräuber echt neidisch! Die Deutsche Bank, die chinesische Regierung und anderen Gangster haben unter dem Schutzschild der UNO eine eigentlich vernünftige Idee so rasend schnell versaut, das nötigt einem fast Respekt ab!

So und jetzt zu unserem Blauwal, richtig zu „unserem“ Blauwal! Die klugen Verfasser einer amerikanischen Metastudie haben sich die Mühe gemacht, die Budgets aller Walschutzaktionen weltweit in den letzten Jahrzehnten zusammen zu rechnen. Diese Daten wurden korreliert mit dem weltweiten Beständen an allen möglichen Walen. Daraus errechneten sie einen fiktiven Preis pro Wal. Also ein Blauwal kostet halt mehr als ein Orka und so weiter. Und nun kommt’s meine Lieben: das zum Schutz der Wale sinnlos ausgegebene Geld, denn die Wale sind nach wie vor bedroht, hätte locker ausgereicht, um alle Wale dieser Welt einfach zu ... kaufen.

Ja meine lieben Philister und Experten, was spricht denn dagegen, einen Wal zu seinem eigenen Schutz zur Ware zu machen. Nichts spricht dagegen, gar nichts! Wenn dann nämlich ein japanisches Fangschiff zu „Forschungszwecken“ ausrückt und auch nur einen einzigen Wal fängt, dann ist das Diebstahl und der Walfänger fährt mit seinem Kahn unter Polizeischutz gleich in den Knast! Aber man redet ja nicht über Geld und unsere verlogene Moral ist uns wichtiger als das Leben der Wale. So gucken betroffene Umweltschützer Jahr für Jahr den „forschenden“ Japanern hinterher und die lachen sich tot.

Diese drei Beispiele zeigen, dass es nicht nur sinnvoll, sondern auch dringend notwendig ist, endlich die Ressourcen unserer Umwelt und alle Energieformen in den kapitalistischen Reproduktionsprozess zu integrieren. Das ist nachhaltig, lebenserhaltend, kostensparend und so für uns alle gewinnbringend!

Lasset uns munter ans Werk gehen,
gesegnet sei die neue Dreifaltigkeit
aus ökologischem, ökonomischen und Humankapital:
im Namen
... der Menschen,
... der Umwelt,
... und des vernünftigen Geistes!