2. Einführung der Kohlendioxidabgabe

Wir fangen auch dieses Kapitel wieder mit etwas Nachhilfeunterricht an. Diesmal im Fach Chemie.

In unserem Kapitel Bildung können Sie die traurige Beispiel eines deutschen Chemielehrbuches nachlesen und ich muss davon ausgehen, dass zumindestens all die armen Menschen, die mit diesem Chemiebuch groß geworden sind, von Chemie so viel verstehen, wie vor Jahren mein bester Schulfreund, nämlich gar nichts. Nie werde ich die Situation vergessen, in der mein Freund die Tafel abwischen sollte, an der noch einige chemische Formeln standen. Unser Chemielehrer kam auf die spontane und grandiose Idee, wissen zu wollen, für welche Stoffe denn diese Formeln stünden. Mein Freund wurde blass und schwieg, auch unser Chemielehrer wurde blass und schwieg. Allmählich wurde ihm der desaströse Erfolg seiner jahrelangen Bemühungen deutlich, meinen Freund die Welt der Chemie nahe zu bringen. Er gab ein paar Hilfestellungen, es half nichts, fast schien es, er wäre den Tränen nahe, er verlor all seine pädagogische Profesionalität und beschwor den armen Jungen: "Mensch, das sind Stoffe, die kann man sehen, die kann man anfassen, die kann man riechen!" Mein Freund erwiderte, er hatte inzwischen wirklich Tränen in den Augen. "Für mich sind das alles nur Zahlen und Buchstaben!"

Ich erzähle diese kleine Geschichte, weil ich es immer wieder erlebe, dass gebildete, interessierte und hoch intelligente Menschen, ihren Chemie- und auch nahezu jeden anderen naturwissenschaftlichen Unterricht vollkommen verdrängt haben und nur mit Grauen daran zurück denken. Viele dieser Menschen bedauern ihre Unkenntnis aufrichtig, aber wer hat schon die Zeit, heute seinen Chemieleistungskurs zu wiederholen. Deshalb wiederholen wir ab und zu die Zusammenhänge, die wir für unsere Betrachtungen brauchen und möchten all die glücklichen Chemie-Auskenner, die einen tollen Chemielehrer hatten und das oben genannte Chemiebuch sofort weggeworfen haben, bitten, unsere kleine Nachhilfe als Auffrischung zu betrachten. Wir werden versuchen, unterhaltsam zu sein.

Jetzt zu den, zu unserem Thema gehörenden Zahlen und Buchstaben: C und O2 reagiert zu CO2. Oder in dürren Worten: Kohlenstoff, das ist das C, liebster Schulfreund, reagiert mit Sauerstoff, also O 2 (Sauerstoff tritt immer molekular auf) zu Kohlendioxid. In diesem Falle kann man statt "reagiert" auch "verbrennt" sagen.

Bildquelle: Pixabay

Diese Verbrennung ist unverzichtbar für jeden Wirtschafts- genau so wie für jeden lebenden Organismus! Was in der Energiewirtschaft Kraftwerk heißt, egal ob auf der Basis von Kohle, Erdöl oder Erdgas, heißt bei einem aerob, also auf Sauerstoff angewiesenen lebenden Organismus: Atmung! Nun essen wir keine Kohle und unser Magen ist kein Ofen, aber wie es der Name schon sagt, steckt in den "Kohle"hydraten unserer Nahrung das C, Zucker ist nichts weiter als eine besonders süße Form von Kohlenstoff. Die Verbrennung findet in unserer Verdauung statt und ist kein Feuer, sondern geschieht durch Enzyme gesteuert, sozusagen kalt, das Ergebnis ist das Gleiche wie beim Kraftwerk: Energie und Abgase.

Kohlenstoff verbrennt mit Sauerstoff zu Kohlendioxid. Wasserstoff verbrennt mit Sauersoff zu Wasser. Ja selbst Wasser kann ein Verbrennungsprodukt sein. Ich schreibe "kann", denn das Wasser unserer Ozeane entstand nicht durch Verbrennung, sondern wurde per Kurier geliefert, von Kometen nämlich, die vor langer langer Zeit auf unserer noch jungen Erde einschlugen. Fragen Sie mich jetzt bitte nicht, wo das Eis auf den Kometen herkommt.

Wir schweifen schon wieder ab, wahrscheinlich weil ich Angst habe, sie mit etwas noch Schlimmeren nerven zu müssen: mit Stöchiometrie, das ist die Verbindung von Mathematik und Chemie. Ich weiß, meine Lieben, das ist die Quadratur des Leidens: also für unsere Kinder so etwas wie Stubenarrest und Fernsehverbot. Für uns Erwachsene keinen Sex und keinen Alkohol oder auch Kühlschrank kaputt und kein Netflix, also: warmes Bier und „Tatort“ im Ersten.

Nützt nichts, wir müssen da durch, zu unserer Reaktionsgleichung kommen jetzt die molaren Massen hinzu: Kohlenstoff 12g/mol (Gramm je Mol) und Sauerstoff 32g/mol (ein O hat 16g/mol: O 2 also 32 g/mol) verbrennen zu Kohlendioxid 44 g/mol (12+32=44). Das bedeutet um 12 Gramm Kohlenstoff zu verbrennen, braucht es 32 Gramm Sauerstoff und es entstehen 44 Gramm Kohlendioxid. Diese Verhältnis bleibt immer gleich, egal bei welcher Menge: 12 Tonnen Kohlenstoff verbrennen mit 32 Tonnen Sauerstoff zu 44 Tonnen Kohlendioxid oder

70.000 Tonnen Kohlenstoff
verbrennen mit
186.667 Tonnen Sauerstoff zu
256.666 Tonnen Kohlendioxid

Warum rechne ich Ihnen das vor. 70.000 Tonnen Steinkohle (die enthält ungefähr 90% Kohlenstoff) setzen in einem Kohlekraftwerk genau so viel Energie frei wie ein einziges Kilogramm Uran in einem Kernspaltungsreaktor. Natürlich erzeugt ein Kilogramm Uran bei der Kernspaltung im Kraftwerk einen Haufen Dreck und zwar gefährlichen Dreck, die Kernspaltungsprodukte sind radioaktiv und müssen für alle Ewigkeiten sicher gelagert werden. Jetzt rechnen wir mal ganz großzügig 1:100 und das sind 100kg Abfall, also zwei große Fässer!

Zwei große Fässer Dreck im Verhältnis zu einer viertel Million Tonnen Kohlendioxid, das ist keine individuelle Meinung von mir, das haben wir gerade gemeinsam ausgerechnet! Und jetzt muss ich die provokante Frage stellen, was macht unserem Planeten gerade mehr zu schaffen, sehr gefährlicher Dreck, gelagert in Fässern tief unter der Erde oder Millionen von Tonnen Kohlendioxid in unserer Atmosphäre? Was löst den Klimawandel aus und was nicht!

Meine lieben Leser, auch ich bin inzwischen Atomkraftgegner ... und zwar genau seit Fukushima! Natürlich wegen der furchtbaren Katastrophe selbst, aber auch wegen des gigantischen Ausmaßes menschlichen Versagens. Spätestens bei dieser Katastrophe musste auch ich eingestehen: ja der Mensch ist nicht in der Lage, mit dieser Technik umzugehen. Man gibt einem Kleinkind kein scharfes Messer und einem Verrückten keine automatische Waffe! (Entschuldigung, letzteres ist leider ein schlechtes Beispiel, weil gesellschaftliche Realität.) Genau so ist es mit der Atomkraft, man hat dieses, im wahrsten Sinne energiereiche, wenn auch sehr gefährliche Instrument einfach den falschen Leuten in die Hände gegeben, nämlich uns Menschen.

Ich halte mich dabei an Carl Friedrich von Weizsäcker, das ist der Bruder vom ehemaligen Bundespräsidenten. Carl Friedrich hat mit seinem Physikerkollegen Hans Bethe 1937 den gleichnamigen Bethe-Weizsäcker-Zyklus entdeckt, mit dem sich ein Szenario der Kernfusion beschreiben und berechnen lässt, und zwar genau das, was sich auf unserer schönen Sonne abspielt. Diesen Mann durfte ich als Student in einem Vortrag erleben und auf die Frage nach den Risiken der Kernenergie antwortete er wissenschaftlich genau, es gäbe exakt zwei davon: 1. sozialistische Schlamperei und 2. kapitalistische Profitwirtschaft!

Die Geschichte der Atomkraft gab und gibt dem klugen Mann recht: 1. das ist Tschernobyl und 2. das ist Harrisburg! Ersetzt man „sozialistisch“ durch „staatlich,“ was ja fast das Selbe ist, und addiert 1. und 2. zusammen, dann kommt Fukushima heraus, nämlich der Supergau: staatliche Schlamperei und kapitalistische Profitwirtschaft!I Ich erinnere Sie daran, Fukushima liegt in Japan, einer technisch und gesellschaftlich hoch entwickelten Demokratie. Die Perlenschnur des Komplettversagens reicht von der Planung, dem Bau, dem Betrieb bishin zur Bewältigung der Katastrophe. Die hatten nicht einmal genug Borwasser, das ist eine Neutronenbremse.

Die noch größere und zwar weltweite Katastrophe war jedoch die Berichterstattung. So viel Unsinn wurde selten geschrieben. Dabei ist der Vergleich mit Tschernobyl der größte Quatsch. Die Medien und selbst große Umweltorganisationen hatten ihre große Stunde, wie heißt es so schön, in Krisen ist die Wahrheit das erste Opfer!

Seitdem bin also auch ich ins Lager der Atomkraftgegner gewechselt, aber nicht aus Angst vor einer gefährlichen Technik, sondern aus dem Wissen, dass der Mensch dafür einfach zu blöd ist. So bin ich ein eifriger Verfechter der so genannten Energiewende und verfolge begeistert die Entwicklung der erneuerbaren Energien und staune über den enormen Technologieschub, an dem anfangs viele deutsche Firmen beteiligt waren, bis sie durch eine vollkommen verfehlte Subventionspolitik ausgebremst wurden.

Aber da ich weiß, dass Politiker gerne große Worte verwenden, die nur bedingt der Wahrheit entsprechen, nehme ich das Wort Energiewende genau und stelle immer wieder fest, dass die Energiewende gar keine ist! Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie verkündet auf seiner Internetseite vollmundig: "Erneuerbare Energien sind die wichtigste Stromquelle in Deutschland ... " und präsentiert dazu folgende Grafik:

Diese Aussage stimmt nur, wenn man die fossilen Brennstoffe schön auseinander rechnet. Das ist Unsinn, man rechnet beim Bevölkerungswachstum auch nicht Männer und Frauen auseinander. Es ist unserer Atmosphäre schließlich egal, ob das gefährliche Kohlendioxid nun aus der Verbrennung von Braun- oder Steinkohle oder von Erdöl oder Erdgas stammt. Da diese Stoffe auch noch eine ähnliche Entstehungsgeschichte haben, wurden sie bisher eben immer als fossile Brennstoffe zusammen gefasst. Das war so lange sinnvoll, bis Politiker beweisen mussten, das es eine Energie“wende“ gibt. Es hat eine Kurskorrektur statt gefunden aber eben keine Wende, wie die nächste Statistik noch deutlicher belegt:

Bildquelle: Wikipedia

Die besonders dreckige Braunkohle ist nahezu konstant geblieben, Steinkohle hat abgenommen, Erdgas aber dafür zugenommen und Erdgas ist kein "sauberer" Energieträger. Auch die Verbrennung von Hausmüll ist keine erneuerbare Energie, wie es uns das BmWi weismachen will. Es entsteht in jedem Falle Kohlendioxid und das ist der Killer Nr. 1 für unser Klima.

Natürlich ist jeder Rückgang ein Erfolg und zwar ein wichtiger! Wir wollen die erreichten Ergebnisse auch nicht klein reden, wir wollen nur die richtigen Dimensionen zeigen. Schauen wir uns dazu diese Grafik an:

"Verkehr" ist nahezu konstant, das ist ein Skandal! "Industrieprozesse" und "verarbeitendes Gewerbe" sind zurückgegangen, man kann diesen Prozess auch als Deindustrialisierung bezeichnen, diese ist gut für unser Klima, für unsere Menschen nicht! Das Verschwinden ganzer Industriezweige und der damit verbundene Verlust von zehntausenden Arbeitsplätzen in Deutschland und speziell den neuen Bundesländern ist eine der Ursachen für 90 Nazis im Bundestag! Erstaunlich ist auch, dass die "kleinen Quellen" für den größten Rückgang verantwortlich sind. Das sind Wohnhäuser, Schulen, Gewerbetreibende etc., das heißt, es hat tatsächlich eine Energiewende statt gefunden, nämlich in den Köpfen vieler verantwortungsbewusster Deutscher, die etwas für unser Klima tun! Das kann man von der Energiewirtschaft leider nicht behaupten, hier gilt immer noch "Profit kommt vor Klima", das ist der zweite Skandal! Deutschland produziert immer noch 800 Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahr, das ist weit über dem EU Durchschnitt und einfach zu viel!

Ich möchte an unsere Rechnung erinnern: 800 Millionen Tonnen Kohlendioxid entsprechen energetisch einer einzusetzenden Uranmenge von ganzen 3,2 Tonnen! Ich lasse diese Zahl unkommentiert, ich möchte nur anmahnen, dass wir Atomkraftgegner nicht die Augen vor den Tatsachen verschließen dürfen.

Pause!

Manchmal ist der Weg lang und mühsam und wir brauchen viel Wissen, um zu den notwendigen Schlussfolgerungen zu kommen. Hoffentlich war unser Weg nicht zu steinig und wenn bei Ihnen allein das Gefühl für die Komplexität der Materie hängen geblieben ist, dann ist das schon ausreichend.

Wir Menschen haben in nicht einmal einem halben Jahrtausend einen Großteil der Ressourcen an fossilen Brennstoffen für deren Entstehung es Millionen von Jahren brauchte, im wahrsten Sinne des Wortes verbrannt. Dies ist eine gefährliche Sackgasse und eine wirkliche Wende, also das Finden neuer Wege ist für uns eine Frage des Überlebens. Wir müssen den Kohlendioxidausstoß in den nächsten Jahrzehnten drastisch reduzieren. Ein allererster Anfang ist gemacht und schon schreiben sich unsere Politiker große Erfolge auf ihre Fahnen. Die Statistiken des Bundesministeriums für Wirtschaft sind nicht falsch aber sie sind irreführend interpretiert! Die Klimabemühungen stecken in einer Sackgasse, die Grenzen und die Probleme der erneuerbaren Energien werden tot geschwiegen. Der Energieverbrauch der Menschheit wächst nahezu ungebremst.

Die Sauerstoffabgabe muss ein sehr starker Anreiz sein, Sauerstoff zu produzieren und gewinnbringend an uns Menschen zu verkaufen. Die Fähigkeit eines Baumes, Sauerstoff zu produzieren, muss dem Baumbesitzer mehr Geld einbringen, als den Baum zu fällen und sein Holz zu verkaufen. Genau so muss die Kohlendioxidabgabe so bemessen werden, dass jeder Verbrennungsprozess teurer als selbst aufwendige Alternativen wird. Wir haben doch in unserem kapitalistischen Reproduktionsprozess die wunderbaren Instrumente Markt und Preis. Das sind die Mittel, die wir einsetzen müssen!

Für jede Energie erzeugende und für jede Energie verbrauchende Technologie muss eine vollständige Energie- und Kohlendioxidbilanz erstellt werden. "Vollständig" bedeutet die Berücksichtigung von Planung und Herstellung, den Vertrieb und den Betrieb, sowie die vollständige Entsorgung. Für jeden Verbrennungsmotor, für jede Energiesparlampe und für jedes Wind- und Erdgaskraftwerk brauchen wir eine solche Bilanz. Erst dann können diese Technologien seriös verglichen und deren vollständiges Risiko ermittelt werden. Das größte Risiko für unsere Welt ist die Produktion von Kohlendioxid! Dies muss die Grundlage bei der Einschätzung und somit bei Einsatz und Entwicklung sein. Wir brauchen ein breites Portfolio an Energieerzeugung, verschiedenste Technologien, dezentral und für den jeweiligen Zweck maßgeschneidert eingesetzt. Und wir brauchen sehr starke Anreize, Energie zu sparen, bzw. zu recyceln. Profit- und Machtgier, der schnelle politische Erfolg sowie die Fehler der Vergangenheit müssen wir endlich hinter uns lassen! Dazu ist eine Kohlendioxidabgabe ein erstes und starkes Instrument!



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