4. Errichtung von leistungsstarken und unabhängigen Bundesinstituten zur Begutachtung und Zertifizierung von Gesundheitsleistungen

Am Anfang dieses Kapitels steht wieder der obligatorische Verweis auf das analoge Kapitel Bildung. Bei unserem Thema Gesundheit wird es jedoch noch spannender, da es den Versuch, eines unabhängigen Bundesinstitutes bereits gibt.

Im Jahre 2004 wurde das Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GMG) verabschiedet. Dieses schreibt die Gründung des „Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen,“ kurz IQWiG, (was für eine Abkürzung!) als eine Einrichtung der gemeinsamen Selbstverwaltung von Ärzten und Krankenkassen vor.

Ziel war und ist es, Leitlinien für die Bewertung des Nutzens von Arzneimitteln zu erarbeiten. Sechs Jahre lang, von 2004 bis 2010 kämpfte der Leiter Prof. Dr. med. Peter T. Sawicki einen Kampf gegen die sprichwörtlichen Windmühlenflügel. Letztendlich waren seine Gegner stärker und sein Vertrag wurde nicht verlängert, ein klarer Sieg der Pharmalobby und ihrer politischen Handlanger. Es ist schon ein großer Erfolg, dass es ein solches Institut überhaupt gibt, aber gleichzeitig wird deutlich, mit welcher Macht die Pharmaindustrie ihre Claims verteidigt und welcher Weg noch vor uns liegt.

günstige-intelligenz.de geht noch weiter. Wir fordern nicht nur die Bewertung von Arzneimitteln, sondern die Bewertung aller Gesundheitsleistungen und zwar sowohl die der so genannte Schulmedizin, als auch alle anderen Methoden.

Wie soll das gehen?

Heutzutage können wir prinzipiell zwei Arten von Studien zum Nachweis der Wirksamkeit von Heilmethoden unterscheiden. Öffentlich oder privat finanzierte. Die Kassen staatlicher Forschungsinstitute, aber auch die von Universitäten und Kliniken sind leer. Man ist auf Drittmittel angewiesen, die Möglichkeiten sind begrenzt und somit auch Umfang der und Aussagekraft der Studien, so sieht es bei den öffentlich finanzierten Studien aus. Wenn ein Hersteller mit einem neuen Medikament oder Heilmethode auf den Markt möchte, muss er deren Wirksamkeit, Risiken und Einsatzgebiet anhand medizinischer Studien nachweisen und diese ... selbst bezahlen!

Lesen Sie dazu bitte dazu die Bücher von Peter C. Gøtzsche, die Sie in unserer Mediathek finden. Er spricht in diesem Zusammenhang von „organisierter Kriminalität!“ Selbst wenn wir nicht so weit gehen, können wir jedoch durchaus Grimms Märchen oder auch VW-Abgaswerte als passenden Vergleich hinzu ziehen. Die Datenlage ist prekär und oft verfälscht! Die falschen Behandlungen kosten Menschenleben!

Was also tun?

Mit den Reformvorschlägen von günstige-intelligenz.de entstehen unabhängige freie Träger. Diese werden mit den notwendigen Ressourcen ausgestattet, dass sie in der Lage und verpflichtet sind, ihre Arbeit, patientengenau und bezogen auf die jeweilige Heilmethode zu dokumentieren, zu anonymisieren und an die von uns geforderten Bundesinstituten zu übermitteln. Dadurch entsteht eine Datenbank, die sowohl jede durchgeführte Heilbehandlung und jedes verschriebene Medikament erfasst aber auch deren Erfolg, bzw. Nichterfolg und deren Nebenwirkungen!

Breiter kann eine Datenlage nicht sein, auch kann sie nicht unabhängiger sein und auch kaum objektiver. Selbst einige schwarze Schafe können die Daten nur zeitlich und örtlich begrenzt verfälschen, die Vielfalt der anwendenden freien Träger ist einfach zu groß! Dazu kommt, dass diese Form der Erfassung sehr effektiv ist, die Daten werden am Ort des Geschehens erfasst, es ist keine zusätzliche Infrastruktur notwendig, sondern es müssen lediglich die freien Träger mit den entsprechenden Ressourcen ausgestattet werden. Diese sind nichts weiter, als die Erweiterung des ohnehin notwendigen Abrechnungssystems. Die von uns geforderten neuen Bundesinstitute erfassen, speichern und werten diese Daten aus, bezogen auf jedes Medikament und jede Heilmethode.

Das hat zwei weitere Vorteile: alle Träger, also die der so genannten Schulmedizin aber auch die der heute noch so bezeichneten alternativen Heilmethoden müssen ihre Arbeit auswerten. So entsteht ein Vergleich und ein objektives Bild. Gerade durch die Vielzahl der Daten wird es möglich sein, den zweifelsohne großen subjektiven Anteil an der Einschätzung der Wirksamkeit einer Methode zu minimieren. So kann vielen Scharlatanen das Handwerk gelegt werden und es wird deutlich wann eine Methode wirklich Sinn macht und wann nicht! Ein zweiter positiver Effekt ist die Möglichkeit vielfältiger Metastudien. Es können viele Studien zusammen gefasst und neu ausgewertet werden, es können aber auch Parameter verglichen werden, die mit erfasst, jedoch gar nicht Hauptbestandteile der einzelnen Erfassungen waren, daraus ergeben sich viele Forschungsmöglichkeiten. Vielleicht entsteht auch ein ganz neuer Forschungszweig.

Pause, verschnaufen!

Muss das sein?!

Sie haben recht, das ist eine gewaltige Aufgabe, aber sie ist notwendig und die Politik ist derzeit damit vollkommen überfordert. Die Gesundheitsausgeben in Deutschland verschlangen im Jahre 2017 erstmals über eine Milliarde Euro am Tag, ja Sie haben richtig gelesen: ... am Tag, über 374 Milliarden Euro pro Jahr, jeder neunte Euro fließt in die Gesundheit. Aber es ist noch dramatischer: die Ausgaben steigen stärker als das Bruttoinlandsprodukt, das ist eine Zeitbombe! Die Tabelle dazu finden Sie in Punkt 9. Amerikanische Ratingagenturen sehen im deutschen Sozialsystem den größten Risikofaktor für die Wirtschaft unseres Landes. Nun sind Ratingagenturen durchaus zwielichtige Privatunternehmen, die auf keinen Fall im Dienst der Wahrheit unterwegs sind. In diesem Falle, bei der Bewertung eine Risikos, können wir ihnen jedoch getrost glauben!

Was ist die ganz einfache Reaktion auf knappe Staatskassen, egal, welche Partei gerade am Ruder ist?! Sozialabbau! Die nächste Krise kommt bestimmt, darauf können Sie sich auch in Zeiten voller Kassen verlassen! Bei der Altersstruktur der deutschen Bevölkerung wird dieses „Risiko“ in den nächsten Jahren noch stärker werden. Irgendwann können wir uns unser Gesundheitswesen einfach nicht mehr leisten.

Diese gewaltige Aufgabe wird enorme Ressourcen benötigen. Aber, mit jedem Euro, den man heute ausgibt, um die Effizienz von Gesundheitsleistungen zu bewerten, kann man in der Zukunft viele Euro sparen.

Wie heißt es so schön? ... Teurer als es zu tun, ist nur, es nicht zu tun!


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