1. Die ökonomische Bewertung der Geburt

Ein kleiner Prolog

Meine Lieben, zuerst lassen wir uns diese Forderung auf unserer geistigen Zunge zergehen: Ökonomische Bewertung heißt, wir bewerten einen an sich nicht ökonomischen Vorgang mit einer ökonomischen Kategorie, deren wichtigste in unserer Gesellschaft das Geld ist. Wir betrachten die Geburt also als geldwerte Leistung und integrieren sie in die ökonomische Reproduktion unseres kapitalistischen Systems. Niemand wird bestreiten, dass es sich bei der Geburt um eine Leistung handelt und niemand wird bestreiten, dass diese Leistung der Gesellschaft zugute kommt und wer sich Leistungen ohne sie zu bezahlen aneignet, macht sich des „Erschleichens von Leistungen“ nach §265 BGB schuldig.
Im Sprachgebrauch von günstige-intelligenz.de nennen wir dies eine „feudalistische Aneignung.“
Meine Lieben, natürlich finden Sie die Geburt und andere Leistungen, die sich unsere Gesellschaft „erschleicht,“ nicht im BGB! Das bedeutet aber nicht, dass wir nicht recht haben, sondern es bedeutet lediglich, dass da ein uraltes Gesetz dringend überholt oder noch besser, ein Neues geschaffen werden muss. Bevor wir richtig loslegen, der Vollständigkeit halber drei Hinweise:

  1. Es geht nicht um die Kommerzialisierung der Geburt, sondern um deren ökonomische Bewertung, das sind zwei ganz verschiedene Dinge.
  2. Wir merken noch einmal an, dass wir die sozialen und Transfersysteme in unseren Betrachtungen außen vor lassen. Sie sind Systemkorrekturen und keine Systembestandteile und genau das ist ihr Problem. Ein Systembestandteil kann man nicht einfach beschneiden oder entfernen ohne das System als Ganzes zu beschädigen. Wohingegen genau dies bei Systemkorrekturen gang und gäbe ist. Wenn die Haushaltskassen wieder einmal leer sind, wird genau dort gestrichen und eingespart. Die Sozial- und Transfersysteme sind wichtige Errungenschaften der bürgerlichen Demokratie, haben aber immer einen Almosencharakter und konnten bisher kein einziges gesellschaftliches Problem lösen!
  3. Wir verweisen auf unser Kapitel Systemtheorie, dort finden Sie wichtiges Hintergrundwissen, wie etwa über das Matriarchat und das Wissen um die von günstige-intelligenz.de aufgestellte „Einheit von humaner ökologischer und humaner Reproduktion.“

Ganz kurze Pause,
Luft holen, die brauchen Sie, denn jetzt lesen Sie endlich den Gedanken, der einer kleinen Revolution gleich kommt:
Wir überwinden den zur Zeit herrschenden antagonistischen Widerspruch zwischen ökonomischer und humaner Reproduktion und verschmelzen beide miteinander.
In diesem Satz steckt die ganze Dimension dieses Kapitels. Wir schreiten jetzt munter ans Werk und belohnen den Säugling endlich für die Leistung seiner eigenen Geburt.

Bildquelle: Das NeZ UG

Wer von den männlichen Lesern selbst ein stolzer Papa ist und das übergroße Glück haben durfte, bei der Geburt seines Sprösslings dabei zu sein, dem werden sofort die Tränen in die Augen schießen, wenn er an den unglaublichen Glücksmoment denkt, an dem das Baby im wahrsten Sinne des Wortes das Licht der Welt erblickt. Er wird sich an das Wunder, dessen er teilhaben durfte voller Rührseligkeit und Dankbarkeit erinnern. Ja und mal ganz ehrlich Männer, auch die Dankbarkeit dafür, dass diesen Job die Frauen erledigen?! Muss das wirklich so weh tun! ...
Ja muss es! ... Die Frauen, ... ja Männer, unsere starken, heldenhaften Frauen zahlen bei jeder Geburt den Preis für unsere Zivilisation, genauer gesagt für unser überdimensional großes Gehirn. Eigentlich ist der menschliche Säugling erst nach 11 Monaten Schwangerschaft geburtsreif entwickelt. Dann wäre aber der Kopf schon so groß, dass eine Geburt schlichtweg unmöglich, da der Geburtskanal dann definitiv zu eng ist: Selbst nach 9 Monaten ist es schon sehr eng für das Köpfchen und deshalb so schmerzhaft für unsere Frauen.
Das zweite Wunder der Geburt ist die schwer vorstellbare Tatsache, dass der gesamte Geburtsvorgang vom Säugling gesteuert wird. Er bringt sich (meist) in die richtige Geburtsposition, er steuert das Hormonsystem seiner Mutter und sorgt dafür, das zur richtigen Zeit die richtigen Hormone ausgeschüttet werden, der Säugling steuert letztlich die Wehentätigkeit! Ein Wunder!

Es ist höchste Zeit, unsere neuen Erdenbewohner endlich angemessen zu belohnen, ja meine Lieben, ich komme endlich zum Thema, entschuldigen Sie bitte, aber ich kann nicht einfach über die Geburt schreiben, ohne deren beiden Wunder zu würdigen!
Wir nähern uns wieder schrittweise. Die Geburt eines Babys verändert die ökonomische Situation auf zweierlei Weise, erstens wird aus einem Paar eine Familie bzw. aus einer kleinen Familie wird schrittweise eine immer größere. In jedem Falle benötigt die Familie nach jeder Geburt größere Ressourcen als vorher. Zweitens entsteht ein neues Mitglied unseres Sozialsystems, was wiederum Anspruch auf bestimmte Ressourcen hat.
Das klingt ganz simpel, aber die ökonomischen Folgen dieser beiden Tatsachen werden durch unser kapitalistisches System bisher gar nicht und durch die Transfersysteme nur unzureichend bewältigt. Das beweisen die Geburtenraten der letzten Jahrzehnte und genau deshalb haben wir in Deutschland und inzwischen auch in Europa einfach nicht genug Neugeborene!
Also, wir betrachten das Neugeborene als vollwertiges Mitglied unserer Gesellschaft, das eigene ökonomische Ansprüche hat und fordern zwei „Belohnungen,“ also zwei ökonomische Bewertungen für die Leistung seiner eigenen Geburt:

  1. Jeder Säugling erhält einen Gutschein zum Erwerb von Wohneigentum in Höhe von, sagen wir 50.000 €. Ganz einfache Rechnung: ein Kinderzimmer von 15m2 Größe kostet heute in einer deutschen Großstadt ungefähr 3.000 € pro m2, das macht 45.000 €. Sie erinnern sich an unseren Grundsatz und legen uns nicht auf Heller und Pfennig fest, es geht um das Prinzip. Wird dieser Zuschlag von den Bundesländern getragen, ist er sicherlich regional unterschiedlich. Wichtig ist, den Anspruch erhält das Kind selbst, es wird als Besitzer ins Grundbuch eingetragen. Die Eltern verfügen im Interesse des Kindes darüber und mit seiner Volljährigkeit kann das Kind über sein Immobilienbesitz selbst entscheiden. Dieses Prozedere wiederholt sich bei jedem weiteren Familienzuwachs. Sicherlich müssen dazu einige Gesetze angepasst werden, aber Gesetze sind schließlich dazu da, sich geänderten Verhältnissen anzupassen. Dieses Werkzeug schlägt wieder mehrere Fliegen mit einer Klappe. Wohneigentum wird anstatt Miete zur bevorzugten Wohnform von Familien. Somit werden sie zu potenten Kunde und bilden ein starken Motor für den Wohnungsmarkt. Wirtschaftlich unabhängigere Familien sind stabiler und krisenfester, sowohl nach außen und sicherlich auch nach innen! Das spart enorme gesellschaftliche Ressourcen. Und was kostet das Ganze? Garantiert weniger als eine Finanzkrise und diese generationsübergreifende Investition stabilisiert auch noch die Volkswirtschaft. günstige-intelligenz.de wird die Kosten und die positiven Effekte ausrechnen ... auf Heller und Pfennig!
  2. Schon mit der Geburt erhält das Neugeborene ein eigenes Rentenkonto, auf dem es für seine Leistung einen größeren Punktbetrag gut geschrieben bekommt. Damit wird der Grundstock für seine lebenslange Selbstvorsorge gelegt. Der neue Mensch wird unabhängig von Transfersystemen und bleibt es ein Leben lang. So werden endlich alle Phasen der menschlichen Biographie Bestandteile der Vorsorge. Der heutige Zustand, in dem lediglich der immer kürzer werdende Lebensabschnitt der Erwerbstätigkeit rentenrelevant und selbst Ausbildungszeiten nur so genannte Ersatzzeiten sind, funktioniert heute schon nicht mehr und wird das bisherige Rentensystem in nicht allzu weiter Zukunft kollabieren lassen. Natürlich bleibt es auch im neuen System so, dass eine größere Arbeitsleistung zu einer größeren Rente führt, dieser Anreiz bleibt sehr wichtig, auch bleibt das spätere Einkommen der wichtigste aber eben nicht der einzige Faktor! Auch hier muss das bestehende Punktsystem den veränderten Verhältnissen angepasst werden.

Es sind noch andere Forderungen denkbar, wie etwa der Erwerb Anteilen an kommunalen Energieversorgern oder Lebensmittelkooperativen. Wichtig für die Forderungen sind folgende Eigenschaften:

  • Die Kausalität ... ist umgekehrt zur heute herrschenden Praxis: Das Paradigma von heute: Das Kind ist bedürftig und wird von der Gesellschaft per „Almosen“ unterstützt. Richtig ist: die Gesellschaft ist bedürftig, sie braucht nämlich die Kinder und entlohnt folgerichtig deren Leistungen. Das Neugeborene ist nicht länger ökonomische Belastung, sondern Motor!
  • Die Kompatibilität ... kleine, schon in der nächsten Zukunft erfolgte Änderungen des Systems werden Bestandteil eines sich über Generationen erstreckenden Transformationsprozesses.
  • Kontinuität ... Der neue Bürger erschafft von seiner Geburt an verschiedene Säulen seiner eigenen Vorsorge.
  • Anpassungsfähigkeit / Diversität ... Was immer in der Biographie des Menschen passiert, welche Ausbildungsabläufe, Beschäftigungs- und Familienverhältnisse er lebt und egal, wie sich diese ändern, der Mensch ist versorgt, seine Vorsorge passt sich dynamisch seinem Leben an.
  • Nachhaltigkeit ... Es entstehen keine kurzfristigen Anreize oder finanzielle Gewinne, sondern nachhaltige Ressourcen und eine große ökonomische Sicherheit. Missbrauch ist ausgeschlossen und die Gesellschaft erhält Steuermöglichkeiten für gesellschaftlich gewünschte Zustände.
  • Individualität / Freiheit ... Die Entscheidung, ein Kind zu bekommen, treffen die Eltern ohne wirtschaftliche Zwänge. Die Gesellschaft übernimmt endlich die Verantwortung für die ökonomische Benachteiligungen, denen Familien objektiv ausgesetzt sind. Ein Kind zu bekommen, wird zu einer wirklich freien Entscheidung!
  • Effektivität .... Die Vergabe der Gutschriften erfordert keine neue Bürokratie.


Epilog

In der heutigen „feudalistischen“ Praxis sind Familien, die Kinder haben, ökonomisch in vielerlei Hinsicht stark benachteiligt, angefangen von Wohnungskosten, Kosten für Bildung und gesunde Ernährung bishin zu der Tatsache, dass alle Fähren, Fluglinien und Quartieranbieter pünktlich zu Ferienbeginn die Preise verdoppeln! Das ist keine Marktwirtschaft, das ist die zynische Ausnutzung der Zwangslage von Familien! Das heutige Sozialsystem bietet nur ungenügende Hilfestellung und der ökonomische Alltag ist grundsätzlich kinderfeindlich. In kaum einem europäischen Land ist die Einkommenssituation der Eltern so eng verbunden mit den späteren Chancen des Kindes. Lesen Sie dazu das Buch „Du bleibst, was Du bist,“ Sie finden es in unserer Mediathek.

Deutschlands wichtigste und nahezu einzige Ressource sind Menschen. Die „Investitionsbedingungen,“ diese Ressource zu reproduzieren sind schlecht und für unsere Land wirtschaftlicher Selbstmord! Das zeigt auch die folgende Grafik des statistischen Bundesamts:

Der Mathematiker würde sagen: was zu beweisen war.

Sehr eindrucksvoll ist der Einbruch der Geburtenrate in den neuen Bundesländern, der noch einmal deutlich zeigt, wie wichtig ökonomische Sicherheit für den Kinderwunsch ist!

Bleiben Sie dran, günstige-intelligenz.de geht weiter, nicht nur die Geburt wird ökonomisch bewertet, sondern auch die weiteren Lebensphasen unseres neuen Erdenbürgers.


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