Neues bei Günstige Intelligenz

Liebe Leser,
hier finden sie die Verweise zu neuen Texten sowie unsere Reaktion auf ausgewählte Nachrichten aus Politik und Gesellschaft.


Mai 2019
Als ich den Begrüßungstext dieser Homepage in Hinblick auf die herrschenden Eliten schärfer formulierte, überfielen mich doch wieder Zweifel, ob dies so richtig sei und ob ich das so pauschal formulieren darf. Meine Lieben, auch angesichts unseres oft wiederholten Grundsatzes: wir verurteilen nicht die Menschen, sondern wir analysieren das System, erlaube ich mir doch hin und wieder, an konkreten Beispielen pars per toto meine Behauptungen zu beweisen:

Im Mai 2019 wurde die neue Studie "LEO-2018" der Universität Hamburg veröffentlicht. Die erste Studie "leo.-Level-One" aus dem Jahre 2011 hatte das erschreckende Ergebnis, dass es in Deutschland 7,5 Millionen "funktionale Analphabeten" gibt. Der Begriff "funktionale Analphabeten" fasst Menschen zusammen, denen in unterschiedlichem Ausmaß Kompetenzen fehlen, geschriebene Buchstaben oder Wörter oder Sätze oder Inhalte zu erfassen und/oder selbst schriftlich darstellen zu können. Diese Kompetenzen werden in Level eingeteilt und nach Geschlecht, Alter, Beruf etc. untersucht und erfasst.
Das Ergebnis der aktuellen Studie ist, dass es nur noch 6,2 Millionen funktionale Analphabeten gibt: 1,3 Millionen weniger, also fast ein Fünftel! (1) Sensationell: die Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) nennt den Rückgang vollmundig einen "Erfolg für unser Bildungssystem." (2) Die Presse stimmt in den Jubelchor ein, STERN, SPIEGEL und ZEIT sind des Lobes voll, nur die ZEIT fragt wenigstens mal nach, wie denn der doch sehr große Rückgang zu erklären sei? Die verantwortliche "Studienleiterin von der Universität Hamburg, Anke Grotlüschen, erklärt, das Ergebnis bedeute nicht, dass in dem Zeitraum eine Million Menschen lesen und schreiben gelernt hätten. Nur wenige Menschen (0,7 Prozent der gering Literalisierten) haben laut Studie einen Grundbildungs- beziehungsweise Alphabetisierungskurs etwa an einer Volkshochschule besucht. Grotlüschen sagt, die Verbesserung bei den 18- bis 64-Jährigen komme zu großen Teilen dadurch zustande, dass ältere Menschen aus der Befragung herausgefallen sind. Die gute Nachricht lautet also: Die Jüngeren sind besser gebildet. Sie haben im Schnitt auch höhere Bildungsabschlüsse als die Alten." (3)

Achso: die Alten sind aus der Befragung herausgefallen, naja im Alter ist die Teilhabe an der Gesellschaft auch nicht mehr sooooo wichtig! Aber es gibt auch eine gute Nachricht. "Die Jüngeren sind besser gebildet." Liebe Leser, ich habe das Glück, kein funktionaler Analphabet zu sein und habe mal kurz nachgerechnet: Grundlage sind die veröffentlichten Zahlen der LEO Studien. Entschuldigen Sie bitte, ich muss Sie mit ein paar Zahlen und Prozentrechnung nerven.
2011 waren in der Kerngruppe (alpha Level 1-3) 19,9% der damals 7,5 Millionen Menschen im Alter von 18 bis 29 Jahren betroffen: das sind 1.492.500 Menschen (124.375 pro Jahrgang). Diese sind acht Jahre älter geworden und finden sich jetzt, im Jahr 2019 in der Gruppe der 26- bis 35-Jährigen wieder. (Die fünf Altersgruppen der Studie 2011 wurden 2019 auf vier begrenzt. Warum? Um zu verhindern, dass jemand genau nachrechnet?!) Also, die 19,9% 18- bis 29-Jährigen aus dem Jahr 2011 sind heute die Gruppe 26- bis 35-Jährigen und stellen 18,2%, das sind 1.128.400 Menschen (112.840 pro Jahrgang) dar. Diese Menschen haben in den Jahren 2000 bis 2010 unser Bildungssystem verlassen und standen chancenlos am Anfang ihres Berufslebens. Aber es geht noch weiter: 2019 gibt es in der Gruppe 18 bis 25 Jahre noch einmal 750.200 junge Menschen (12,1% von 6,2 Mio bzw. 93.775 pro Jahrgang) die von etwa 2010 bis heute die Schule beendeten. Ist doch ein bemerkenswerter Rückgang von 124.375 pro Jahrgang in den 2000er Jahren auf 93.775 pro Jahrgang Ende der 2010er Jahre. Nun müssen wir aber die ebenfalls rückgängige Gesamtzahl der deutschen Schulabgänger berücksichtigen. Im Jahre 2000 verließen 766.100 Schüler die Schule im Jahre 2017 nur noch 632.000.(4) (Abiturienten habe ich ausgenommen, unter Ihnen gibt es laut LEO- Studien nur(!) 0,3% Analphabeten, ja ... man kann in Deutschland sogar ein Abitur machen ohne lesen und schreiben zu können!) Legt man diese Zahlen jetzt übereinander ergibt sich in den 2000er Jahren eine Analphabetenquote von 16% und im Jahre 2017 von knapp 15%. Nun ist meine statistische Berechnung nicht genau, das lassen die LEO-Studien schließlich nicht zu. Fakt ist aber, der Anteil funktionaler Analphabeten unter deutschen Schulabgängern ist ungefähr gleich geblieben, gar nichts hat sich da verbessert, gar nichts! Für fast zwei Millionen Menschen hat dieses System in den letzten 20 Jahren kläglich versagt. Entschuldigen Sie bitte den Zahlensalat, aber manchmal muss man eben einfach mal nachrechnen.
Sehr geehrte Frau Grotlüschen, wenn diese Menschen "im Schnitt ... höhere Bildungsabschlüsse haben," dann kann das nur bedeuten, dass man für höhere Abschlüsse in Deutschland nicht mehr unbedingt lesen und schreiben können muss. Entschuldigen Sie bitte, ich bin da sehr konservativ, aber unter "besser gebildet" verstehe ich etwas Anderes. Und bei allem Respekt sehr geehrte Frau Ministerin Karliczek (CDU), von welchem Bildungssystem sprechen Sie, vom deutschen?
Liebe Leser, ich hoffe, Sie verstehen jetzt besser, was ich damit meine: "die herrschenden Eliten sind nicht die Lösung des Problems, sondern sie sind das Problem." Fast zwei Millionen Menschen im Alter von 18 bis 35 Jahren können sich nicht ausreichend schriftlich artikulieren. Das ist eine Schande für unser Land und wirtschaftlich gesehen, Selbstmord. Diese Tatsache ist kaum zu ertragen aber noch unerträglicher ist der Gedanke, wie das Problem denn gelöst werden soll, wenn die dafür Verantwortlichen so damit umgehen?!
Zum Abschluss noch eine letzte Zahl. Die aktuelle LEO-Studie wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 2,5 Millionen Euro gefördert! Kein Kommentar! Nur zum Verständnis, von diesem Geld hat kein einziger Mensch lesen oder schreiben gelernt!


April 2019
Das Manifest wurde überarbeitet und ist jetzt übersichtlicher und präziser.

Februar 2019
drei neue Buchempfehlungrn in unserer Mediathek

Januar 2019:
Das "Netzwerk engagierter Zeitgenossen - Das NeZ e.V." wünscht ein gesundes, friedliches und erfolgreiches Neues Jahr. Ein kleines Neujahrsgeschenk: Reform der sozialen und Transfersysteme sowie der Rente:
1. Die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens

November 2018:
Endlich online: Gleichberechtigung & Familie:1. Die ökonomische Bewertung der Geburt

Oktober 2018:
Es gibt drei neue Buchempfehlungen in unserer Mediathek

September 2018:
Unsere Bundeskanzlerin hat den Ernst der Lage erkannt und möchte 5 Milliarden Euro für Wohnungen investieren. Sehr gut, Frau Merkel, auch Sie begrüßen wir in unserem kleinen Klub der Weltverbesserer. Wir haben noch nicht gehört, wie sie investieren wollen, aber .... Bitte lesen Sie weiter:
AfD & Co:
7. ein Aufbauprogramm für Städte und Dörfer - der New Deal