soziale Systeme und Rente

PROLOG

Unser menschliches Gehirn ist sehr gut in der Lage, viele aktuelle Ereignisse zu einem Gesamtbild zusammen zu fügen. Die so entstehenden Bilder gesellschaftlicher Ereignisse haben für die Betroffenen oft eine übereinstimmende, nennen wie sie gesellschaftliche Grundauffassung und werden durch die Details eigener Erfahrungen individuell ergänzt. So entsteht das, was wir Geschichte nennen und in den Lehrbüchern nachlesen können. Dieses Bild beinhaltet jedoch meist nur die oberen, die unmittelbar wahrgenommenen Schichten der abgelaufenen Veränderungen. Zwei wichtige Ebenen werden in unserem Bewusstsein nur sehr begrenzt abgebildet, zum einen die geschichtlichen Ursachen und zum anderen die Langzeitwirkungen. Der gesellschaftliche Diskurs dieser beiden Aspekte findet weitestgehend unterschwellig, das heißt unterhalb des Radars der öffentlichen Wahrnehmung statt.
Es gehört zu den Vorzügen und Aufgaben einer Demokratie, beträchtliche Ressourcen in die Erforschung und Reflexion der eigenen Geschichte, insbesondere der Ursachen und der Auswirkungen zu investieren und die gewonnenen Erkenntnisse hoffentlich zu einem, von der Mehrheit des Volkes anerkennten Geschichtsverständnis zusammen zu fügen.
So haben wir alle ein in Großen und Ganzen übereinstimmendes Bild solcher Ereignisse wie dem ersten und zweiten Weltkrieg oder auch der deutschen Wiedervereinigung. Aber auch hier herrscht über die geschichtlichen Ursachen schon weit weniger Konsens und das Ausmaß aller geschichtlichen Langzeitwirkungen ist zum Teil immer noch im Verborgenen. Das ist auch vollkommen natürlich, denn die hohe Komplexität gesellschaftlicher Umbrüche kann erst mit geschichtlichem Abstand umfassend erkannt werden. Der Vulkan, der Jahrhunderte im Verborgenen brodelt wird erst zum Ereignis, wenn er ausbricht!

Die sozialen Systeme und insbesondere die Rente sind solche "unterirdischen" gesellschaftlichen Phänomene. Schon unsere Großeltern, danach unsere Eltern und sicher auch einmal wir werden irgendwann einmal Rentner. Wir haben die Veränderungen und die Kämpfe erlebt, aber irgendwie ist es doch immer weiter gegangen und niemand ist verhungert. Aber die Welt und die Lebensläufe haben sich über die Generationen drastisch verändert und irgendwie beschleicht uns immer wieder das Gefühl, das ein System, was für unsere Großeltern noch halbwegs funktionierte für uns und erst recht unsere Enkel doch wahrscheinlich kaum noch funktionieren wird. Es wird hier und da reformiert, die Anstalten bekommen andere Namen und es wird von Generation zu Generation vollmundig behauptet, "die Rente ist sicher" und niemand weiß. was das bedeuten soll.

Wenn wir die sozialen Systeme und die Rente von Grund auf sanieren möchten, müssen wir, wie auch bei anderen Reformbereichen drei Dinge tun:

  1. Wir begeben uns auf die Reise zu den Anfängen und besuchen die Gründungsväter des ältesten Rentensystems der Welt, die Herren Bismarck und Bebel, jawohl meine Lieben: Bismarck und Bebel, sie werden staunen. Wir schauen uns das damalige Deutschland und sein revolutionäres Sozialsystem an, und sehen, wie beide in zwei Weltkriegen unter die Räder kamen und für Jahrzehnte danach zwei Provisorien blieben, deren Probleme auch durch die Wiedervereinigung nicht umfassend und grundlegend gelöst wurden.
  2. Wir schauen uns den heutigen Zustand an und zwar nicht die oberen Schichten, sondern das System und stellen fest: die sozialen und Transfersysteme der Marktwirtschaft sind Regulative des kapitalistischen Marktes.
    Die für die kapitalistische Reproduktion notwendigen Produkte und Dienstleistungen müssen von gut ausgebildeten, gesunden Menschen hergestellt und über eine funktionierende Infrastruktur dem Markt zugänglich gemacht werden, dazu werden Rohstoffe wie Sauerstoff verbraucht und es entstehen Abfallprodukte wie Kohlendioxid. All diese Begleitprozesse sind lebensnotwendig für das System, im System selbst jedoch gar nicht enthalten und werden durch die Gesellschaft geregelt. Deshalb nennen wir sie Regulative.
    Diese Regulative haben drei Eigenschaften, sie sind teuer, sie sind ineffizient und sie sind zusätzlich, das bedeutet, sie finden außerhalb des Marktes statt. Die Regulative werden mithilfe der parlamentarischen Demokratie organisiert. So wurde aus dem so genannten Manchesterkapitalismus die soziale Marktwirtschaft.
    Diese funktioniert oft immer noch ziemlich gut. ...
    Des Öfteren funktioniert sie nur noch "so lala" ...
    Immer öfter funktioniert sie leider schlecht oder überhaupt nicht!
    Unser Gesundheits- und Rentensystem steht kurz vor der Pleite, nirgendwo ist Bildung so sehr an das elterliche Einkommen gebunden wie in Deutschland, es gibt in Europa zu wenig und weltweit zu viele Kinder. Wir haben uns an alle möglichen Katastrophen fast schon gewöhnt.
    Ein Beispiel: Jedes Jahr erreichen etwa 250.000 Menschen aus der ehemaligen DDR das Rentenalter, gehen wir von 1990 und einem Renteneintritt von 67 Jahren aus, sind das im Jahre 2020 die damals 37jährigen, 2021 gehen die damals 36jährigen in Rente und so weiter. Im nächsten Jahrzehnt, also in den 2030er Jahren erreichen jedes Jahr eine Viertelmillion damalige Berufsanfänger das Rentenalter. Von Ihnen hat ein Großteil keine durchgängigen Beschäftigungsverläufe mehr also prekäre Beschäftigungshistorien. Ihnen steht lediglich eine Rente unterhalb der Grundsicherung zu, also, sie wandern direkt in die Altersarmut. Darüber gibt es keine Statistiken, rechnen wir grob mit 200.000 Menschen pro Jahr. Dazu kommt, dass seit 1990 auch in der ehemaligen BRD sich viele Beschäftigungsbiographien änderten, auch dort sank der Anteil der dauerhaft sozialversicherungspflichtig Beschäftigten dramatisch. Auch der seit einigen Jahren verbindliche Mindestlohn reicht nicht aus, um der Altersarmut zu entkommen. Dies alles bedeutet nichts weiter als: ... den sicheren Zusammenbruch unseres heutigen Rentensystems. Bis dahin ist noch ein Jahrzehnt Zeit, das ist bei einem so extrem "langsamen" System wie der Rente ... gar nichts! Was passiert?! ... gar nichts!
  3. Wir formulieren die Idee des Reformansatzes von günstige-intelligenz.de:
    Die ineffizienten, teuren und zusätzlichen Regulative des Marktes werden in die Reproduktion des Kapitals integriert. So bekommt die ökonomische Reproduktion zwei neue Geschwister: die humane und die ökologische Reproduktion. Alle Teile sind gleich berechtigt und bilden die neue Dreifaltigkeit der kapitalistischen Reproduktion.

    Dies ist eine der grundlegenden Reformen von günstige-intelligenz.de. Dazu müssen erst einmal die unserem heutigen kapitalistischen System innewohnenden sozialistischen Planwirtschaften und die feudalistischen Aneignungen abgeschafft werden.


Im Kapitel Energie & Umwelt können Sie lesen, wie das mit dem Sauerstoff geht, in Gleichberechtigung & Familie erfahren Sie mehr über die lieben Kinder und in der Systemtheorie können Sie die neue Dreifaltigkeit der kapitalistischen Reproduktion mit all ihren Facetten kennen lernen.

Durch die Reformen von günstige-intelligenz.de entwickeln sich die meisten Regularien vom zusätzlichen "Ballast" der Gesellschaft zu systemimmanenten Bestandteilen des Marktes. Sie werden bestimmt teuer bleiben, denn schließlich sind sie die zentrale Bestandteile einer sozialen Marktwirtschaft, aber sie werden intelligenter und somit sicherlich auch günstiger als die heute verschwendeten Milliarden sein.
So lösen wir viele Probleme, an die wir uns seit Generationen gewöhnt haben: Diejenigen, die heute noch als "bedürftig" gelten, vom Säugling bis zum Rentner, sind nicht länger Almosenempfänger, sondern Marktteilnehmer mit verbrieften Rechten.
Ganz "nebenbei" lösen wir noch ein weiteres Problem. Unsere heutigen Sozialsysteme bilden einen wunderbar warmen und feuchten Nährboden für gesellschaftliche Schimmelpilze wie ausufernde Genehmigungs- Verwaltungs- und Kontrollbürokratien. Damit ist dann Schluss.
Zu guter Letzt noch ein wunderbarer Effekt: die nächste Krise kommt bestimmt, denn die sind im Kapitalismus gesetzmäßig und noch gemeiner, sie sind zyklisch! Wer ist daran schuld, logisch: das Volk! Nach Verwirklichung unserer Reformen ist es mit der Willkürherrschaft der Regierungen vorbei und es wird nicht mehr möglich sein, soziale Leistungen nach Belieben zu kürzen oder gleich ganz abzuschaffen.
Ich wünsche Ihnen eine erbauliche, unterhaltende und einsichtsreiche Reise zu den zehn Reformen der sozialen Systeme und der Rente.