3. Neuorganisation der Rente

PROLOG
Bevor Sie, liebe Leser aufstöhnen: "schon wieder alles neu," kann ich Sie beruhigen, ganz neu ist unsere Reform der Rente gar nicht, denn genau genommen, betreiben wir eher ein "back to the roots."
Dazu nutzen wir unsere altbewährte Methode und begeben uns auf einen Ausflug in die Geschichte. Wir besuchen die Gründungsväter und beschreiben, wie unsere gute alte Tante "Rente" durch einen heimtückischen Mord, durch Dilettanten und Diebe immer weiter unter die gnadenlos mahlenden Räder der deutschen Geschichte kam. Es ist wichtig, diesen langen Weg der Erkenntnis zu gehen, nur so verstehen wir, was heute an Reformen notwendig ist. Mit diesem Wissen schicken wir die Tante zu einer Frischzellenkur und führen sie in die inzwischen recht große Familie unserer geistigen Werkzeuge ein.
De Ungeduldigen unter Ihnen, die sich den langen Gedankenweg über die Geschichte sparen und gleich unsere Rentenreform kennen lernen wollen, nutzen wie immer unsere "FASTLINKS" in Form der Kapitelüberschriften. Ich wünsche gute Unterhaltung.

Bildquellen: wikimedia/commons/bundesarchiv & dhm.berlin

DER GESCHICHTE ERSTER TEIL, DIE GRÜNDUNGSVÄTER
Das sind sie, die Väter unseres modernen deutschen Sozialsystems. der Linke: August Bebel und der Rechte: Otto von Bismarck.
Geht es Ihnen so wie mir, wenn Sie diese Bilder anschauen, wenn Sie sich in die Augen der beiden versenken? Man spürt die Kraft und die Energie, aber man spürt genauso Trauer und Müdigkeit. Sicherlich trifft das auf viele alte Menschen zu, wenn man aber eine Ahnung davon hat, was diese beiden Männer geleistet, wie sie dafür gekämpft und gelitten haben, dann wird das, was man so abstrakt "Geschichte" nennt, plötzlich ganz nah und ganz warm. Die Geschichte, unsere Geschichte wird menschlich, sie wird gegenwärtig, wir legen das Fernglas ab, mit dem wir in die Vergangenheit geschaut haben, wir schalten den analysierenden Verstand aus, um einfach nur noch zu schauen und zu fühlen.
Diese beiden großen Deutschen, Bismarck und Bebel, sie hatten ihre Visionen, die sie verwirklichen konnten, sie hatten ihre Schatten, über die sie nicht springen konnten. Sie waren Leuchttürme in der Geschichte und ein Leben lang erbitterte Gegner. Getreu dem dialektischen Grundsatz, "aus These und Antithese entsteht Synthese," haben sie letztlich gemeinsam den Traum von so vielen Generationen verwirklicht: ein Deutschland einig Vaterland und eine lebenswerte Heimat für fast alle.
Dieser Traum, ein einiges, friedliches, freies und demokratisches Deutschland, hätte es wirklich verdient gehabt, im Interesse der Deutschen und im Interesse Europas weiter wachsen zu dürfen. Leider wurde er in den kommenden Jahrzehnten leichtfertig und dumm verspielt. Bismarck und Friedrich Engels, zwei weitere erbitterte Gegner, haben beide vor der Katastrophe eines ersten Weltkrieges gemahnt und sie Jahre im Voraus und detailgetreu beschrieben. Verhindern konnten sie sie nicht. Die unbarmherzige Geschichte hat die düsteren Ahnungen der beiden Schritt für Schritt Realität werden lassen. Das Deutsche Reich, es war das zweite, war 1918, nicht einmal zwei Generationen nach seiner Gründung, bereits wieder Vergangenheit. Aller guten Dinge sind drei, dieser harmlose Spruch klingt in Bezug auf die deutsche Geschichte wie ein Fluch. Aus den Folgen des ersten Weltkrieges sollte ein Drittes Reich entstehen und die Zerstörung des einig deutschen Vaterlands zu seiner Vollendung führen.

Zurück zur Rente. Ich höre sie schon protestieren, die Leser aus dem, sagen wir mal bürgerlichen Lager, die Bismarck als den alleinigen Vater des deutschen Versicherungssystems sehen wollen. Ja sicher, so steht es in den Geschichtsbüchern, aber Geschichtsbücher sind dazu da, den sehr komplexen und vielschichtigen Gegenstand "Geschichte" in leicht verständliche, gut auswendig zu lernende Wissensbrocken zu verpacken und alles Vielschichtige und Widersprüchliche auf eine Oberfläche zu projizieren.
Wir dagegen analysieren das gesamte System, wir denken dialektisch und wissen, dass es zu jedem Pol einen Antipol gibt und dass ein Magnetfeld immer genau zwei Pole braucht. Nimmt man einen Pol weg, bricht das Magnetfeld zusammen oder anders formuliert, dann gibt es kein kleineres oder kein schwächeres Magnetfeld, sondern einfach gar keins!

DER GESCHICHTE ZWEITER TEIL, GESCHICHTE UND GESCHICHTEN
Bismarck hat mit seiner "Blut und Eisen" Politik das deutsche Reich erschaffen und den Deutschen ein einig Vaterland gegeben.
Dieses deutsche Reich war Bismarcks große Leistung und sein Vermächtnis, dass er gegen alle "Feinde" verbissen verteidigte, also auch gegen die "vaterlandslosen Gesellen" wie er die Sozialdemokraten nannte. Aber genau das war sein großer Fehler, das war der Schatten, über den der Mensch Bismarck nicht springen konnte. Bismarck war in seinem Herzen ein Junker, für den das arbeitende Volk nur aus mehr oder weniger ungebildeten Bauern bestand, die er mit den Fabrikarbeitern gleich setzte.
Bismarck kannte die moderne Industrie nicht und er erkannte nicht, dass diese Industrie einen neuen Typus Mensch brauchte und auch hervorbrachte: Moderne, komplizierte Maschinen brauchen gut ausgebildete Fachkräfte, die diese verstehen, bedienen und reparieren können. Komplexe Produktionsabläufe brauchen Organisatoren, die Einkauf, Verarbeitung und Absatz organisieren. So entsteht eine Schicht von Arbeitern und Angestellten, die letztlich das gleiche Interesse wie der Unternehmer hat, nämlich den Erhalt und den Erfolg des Unternehmens. Das ist die menschliche Basis, auf der in modernen Industrienationen die Sozialdemokratie entstand. Und so wie Bismarck die Deutschen einigte, so einigte Bebel diese Millionen von Menschen, gab ihnen eine Stimme und gab ihnen somit Macht.
Der Bismarck Biograph, wohlgemerkt der Bismarck Biograph Ernst Engelberg beschreibt das so: "Bebels Bücher, Aufsätze und Reden vermittelten stärkende Zukunftsgewissheit, aber auch stichfestes Faktenmaterial über die Gegenwart, die alles Phrasenhafte in der sozialdemokratischen Agitation einzudämmen vermochte. In den großen Debatten im Reichstag trat er ebenso wie sein vierzehn Jahre älterer Kampfgefährte Wilhelm Liebknecht fast immer auf."... "So wurde der dem Volk entstammende August Bebel in den 1880er Jahren im wahrsten und umfassenden Sinn der eigentliche Gegenspieler des Fürsten Otto von Bismarck" ... (1)
Die Reichstagsreden von August Bebel wurden in Groschenheften abgedruckt, die reißenden Absatz fanden, weit über die sozialdemokratische Arbeiterschaft hinaus.
Die Bismarckschen Sozialistengesetze wurden von den Sozialdemokraten geschickt und kreativ unterlaufen. Massenhaft gegründete, angeblich unpolitische Vereine und die in Zürich und später London gedruckte Zeitung "Der Sozialdemokrat" ließen die Sozialdemokraten nur noch stärker und geschlossener werden. Bismarck konnte und wollte nicht erkennen, dass diese "vaterlandslosen Gesellen" keineswegs auf die Vernichtung Deutschlands aus waren, sondern nur auf ihrem legitimen Recht pochten, ihren Anteil am Wirtschaftswunder Deutschland zu erhalten.
Die so genannten "Gründerjahre" nach 1871 hatten die deutsche Wirtschaft groß und reich gemacht. Diejenigen, die diesen Reichtum erarbeitet hatten, waren, wie immer, leer ausgegangen! Kinder, Frauen und Männer schufteten 14 Stunden am Tag einschließlich Sonnabend, ohne Kranken- Unfall- und Rentenversicherung, ohne Chance auf höhere Schuldbildung. Sie wohnten in neu errichteten Großstädten in feuchten Mietskasernen, in denen die Tuberkulose jedes Jahr zehntausende Opfer forderte. Diese Menschen hatten nichts vom großen Aufschwung und sie forderten das, was alle Politiker in den Sonntagsreden predigten und danach sofort vergaßen: ein Gott gerechtes menschenwürdiges Leben.

Kommen Ihnen, liebe aufmerksame Leser, diese Zeilen bekannt vor, dann haben Sie sicher schon das Kapitel AfD & Co gelesen. Ja, die menschliche Geschichte ist recht phantasielos, immer wieder das Selbe, immer wieder die gleichen Fehler. Im Jahre 1990 war es wieder einmal so weit: Deutsche Vereinigung! Sie fragen, die wievielte, ich weiß es nicht, ich wage nicht einmal zu hoffen, dass es die letzte war!
Aber wo waren der Bebel, wo war der Bismarck. Hätte es solche Titanen gegeben, dann säßen heute bestimmt keine Nazis im Bundestag und das deutsche Volk wäre nicht so zerrissen wie es heute ist. Zerrissen in arm und reich, zerrissen in Zukunftsgewissheit und Zukunftsangst, zerrissen in Toleranz und in Hass. Vor unserer heutigen SPD hätte Bismarck keine Angst haben brauchen, so wie im übrigen auch nicht vor den anderen Parteien, ... aus den vaterlandslosen Gesellen sind visionslose geworden.

DER GESCHICHTE DRITTER TEIL, DIE DEUTSCHE BISMARCKSCHE SOZIALVERSICHERUNG
Getrieben von Bebel und den Forderungen der erstarkenden Sozialdemokratie schuf Bismarck die deutsche Sozialversicherung, die erste der Welt, ich wiederhole es gerne ... die erste der Welt!
Im Jahre 1883 verabschiedete der Deutsche Reichstag das "Gesetz betreffend die Krankenversicherung der Arbeiter," 1884 folgte das "Unfallversicherungsgesetz" und schließlich am 22.Juni 1889 das "Gesetz, betreffend die Invaliditäts- und Altersversicherung."

Bildquelle: Wikimedia cammons

Liebe Leser, Sie können es nachlesen, dieses Gesetz galt für "1. Personen, welche als Arbeiter, Gehülfen, Gesellen, Lehrlinge oder Dienstboten gegen Lohn oder Gehalt beschäftigt werden; und 2. Betriebsbeamte sowie Handlungsgehilfen .... " Sie alle bekamen eine Altersrente ab dem 70. Lebensjahr, sowie eine Invalidenrente bei Erwerbsunfähigkeit. Voraussetzung für die Altersrente waren mindestens 30 Jahre Beitragszahlung bei der damals üblichen 60-Stunden-Woche.
Wikipedia hat es nachgerechnet: "Bei Einführung der Rentenversicherung im Jahr 1891 betrug der Beitragssatz 1,7 %, finanziert zu je einem Drittel von den Arbeitnehmern, den Arbeitgebern und staatlichen Zuschüssen, also Steuergeldern. Damals verdiente ein ungelernter Arbeiter 80 Mark im Monat (heutige Kaufkraft: 536 Euro) und musste dafür ein Drittel von 1,7 %, also 0,567 % als Arbeitnehmerbeitrag abführen, das waren monatlich 0.45 Mark (heutige Kaufkraft: 3,02 Euro). Die Versicherungspflicht galt anfänglich nur bis zu einem Jahreseinkommen von 2.000 Mark (heutige Kaufkraft: 13.407 Euro), was monatlich 167 Mark (heutige Kaufkraft: 1.120 Euro) entspricht, womit damals alle Arbeiter („gewerblich“ Tätigen) erfasst waren sowie die „kleinen“ Angestellten." (2)

... und weiter: "Bismarck begründete die Entscheidung für eine rein staatliche und eben nicht privatwirtschaftliche Organisation der Rentenversicherung damit, dass man den „Sparpfennig der Armen“ niemals einem Konkursrisiko aussetzen oder gestatten könne, „dass ein Abzug von den Rentenbeiträgen als Dividende und zur Verzinsung von Aktien gezahlt würde“.

Das kann man gar nicht fett genug drucken: Diese Gedanken stammen nicht von August Bebel oder einem Kommunisten, sondern von Fürst Otto von Bismarck, der Mann war Großgrunbesitzer und ein preußischer Junker. Das preußische Junkertum steht in unseren Geschichtsbüchern als eine der Stützen des preußischen und später deutschen Militarismus, auch das ist sicherlich richtig, aber es ist eben nur die halbe Wahrheit. Der Berliner sagt, "et jibt eben immer So'ne und Solche!"
Wenn der Junker Bismarck heute erleben müsste, wie sozialdemokratische oder gar christlich demokratische "Volksvertreter" mit dem "Sparpfennig der Armen" umgehen, was würde dieser groß gewachsene Mann wohl denken, was würde er mit seiner kräftigen, aber ungewöhnlich hohen Stimme wohl ausrufen. Ach ... vielleicht würde er gar nichts rufen, vielleicht würde er sich müde abwenden und in seinen weißen Bart die von ihm häufig benutzten Worte murmeln: "was für Halunken!"

Bei der Einführung der so genannten Riester-Rente im Jahre 2000 wurden alle Versicherungsunternehmen, die das neue Rentenprodukt anbieten wollten, dazu gezwungen, ihre Kalkulationen offen zu legen, das Ergebnis war ein Skandal, für den sich niemand interessierte: bis zu 60% - in Worten: sechzig Prozent - der eingezahlten Beiträge, verschwanden und verschwinden(!) als Gewinne und Gebühren in den Kassen der Versicherer, mehr als die Hälfte des Sparpfennigs der Armen.
Eine weitere Zahl: heute auf dem Markt agierende private Pflegeunternehmen realisieren acht Prozent Gewinn bei der Erbringung von Pflegeleistungen, staatliche und kommunale Träger kalkulieren zwei Prozent, kirchliche fünf Prozent. Das Geschäft mit der Pflege prosperiert, acht Prozent, also fast ein Zehntel des Geldes aus den angeblich so knappen Kassen verschwindet in den Taschen von zum Teil international agierenden Konzernen, und lassen Sie uns raten: garantiert unversteuert!
Als Vergleich: BMW realisierte 2016 einen Gewinn von zehn Prozent, Daimler knapp neun Prozent und Volkswagen nur "lächerliche" sechs Prozent.(3) Also liebe Wolfsburger Autobauer, wozu der ganze Stress, moderne Autos bauen, mit vielen Beschäftigten und dem ganzen Aufwand! Beim Staat Pflegekohle abzocken ist viel profitabler und viel einfacher. Bei solchen Profitraten ist eine angemessene Entlohnung der Pflegekräfte natürlich nicht machbar, also wird unser Gesundheitsminister los geschickt, um im Ausland billige Pflegekräfte zu werben!
Es langweilt, aber es muss erwähnt werden, ab 1998 regierte eine rot-grüne Koalition und auch danach waren die "vaterlandslosen Gesellen" von der SPD immer in der Regierungsverantwortung.

Pause, Durchatmen!
So viele Fakten, die sind als Illustration für unser Thema wichtig, nicht als Botschaft. Nahe bringen möchte ich Ihnen den Respekt dafür, welche Leistungen und welchen Weitblick Bismarck, Bebel und Co. damals hatten. Im nächsten Abschnitt müssen wir der Vollständigkeit halber behandeln, wie die Bismarcksche Rente allmählich unter die Räder der Geschichte kam.


DER GESCHICHTE VIERTER TEIL, HINTERGRUND

Wir müssen uns mit dem ersten Weltkrieg noch etwas genauer beschäftigen. Aus dem ganz simplen Grunde weil auch das Bismarcksche Rentensystem ihn zum Opfer fiel. Dieser Zusammenhang war Ihnen noch nicht kler, bleiben Sie dran, es bleibt spannend.



Bildquelle: Adolph Menzel "das Eisenwalzwerk" Max Kohner "Kaiser Wilhelm II" © commons.wikimedia.org
Das Bild von Adolph Menzel aus den Jahren 1872-75 führt ein neues Sujet in die Malerei ein: einen Industriebetrieb. Zu dem Bildnis von Kaiser Wilhelm II aus dem Jahre 1890 sagte ein französischer General: "das ist kein Porträt, das ist eine Kriegserklärung."

Es sollte der so genannte erste Weltkrieg werden, das bedeutet, obwohl der Hauptkriegsschauplatz Europa war, ging es wieder einmal um die Neuaufteilung der Welt, das Zauberwort dazu hieß: ... Öl! Im Jahre 1913 machte der "Erste Lord der Admiralität" so nennt sich der britische Marineminister, ein ehrgeiziger aufstrebender Politiker dem Unterhaus klar, die Umstellung der Kriegsmarine von Kohle auf Öl bedeute: "die ganze Kampfkraft und Leistungsfähigkeit auf ein entschieden höheres Niveau zu heben, bessere Schiffe, bessere Besatzungen, größere Ersparnisse, ein höheres Kriegspotential" Es ginge um nichts weniger als "die Beherrschung der Weltmeere." (5)
Den Mann kennen Sie, er ließ sich später als "Friedensengel" feiern, sein Name ist Winston Churchill. Im Sommer 1914 erwarb die britische Regierung 51 Prozent der "Anglo-Persian Oil Compny" (später umgewandelt in "British Petrol") und damit die operative Kontrolle über die größten damals erschlossenen Ölvorkommen der Welt! Elf Tage danach wurde der Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo erschossen. Man war gut vorbereitet, die Show konnte beginnen!

Es ist an dieser Stelle wichtig, auf die Quelle dieser Zeilen zu verweisen: der Autor heißt Peter Frankopan und ist einer der "profiliertesten jüngeren Historiker Großbritanniens." Sein Buch "LICHT AUS DEM OSTEN", ist für alle Geschichtsbesessenen unter Ihnen wahrhaft bewusstseinserweiternd, also Pflichtlektüre! Sie finden es selbstverständlich in unserer Mediathek.

Vier Jahre später war es vollbracht, der erste Weltkrieg, die "Urkatstrophe des 20. Jahrhunderts" wie ihn der amerikanische Diplomat und Historiker George F. Kennan nannte, hinterließ ein verwüstetes Europa mit 17 Millionen Toten und 20 Millionen Verwundeten. In den Versailler Vertrag, natürlich war dieser Ort kein Zufall, schrieb man in den Artikel 231 sicherheitshalber, dass Deutschland und seine Verbündeten „Urheber aller Verluste und aller Schäden“ sei. Lord Curzon, britischer Politiker und eine Zeit lang Vizekönig von Indien schwärmte im November 1918 auf einem Bankett in London: "Die alliierte Sache ist auf einer Woge von Öl zum Sieg geschwommen." Ein reicher französischer Senator stimmte jubelnd zu. Deutschland habe viel zu sehr auf Eisen und Kohle gesetzt und zu wenig auf Öl. Öl sei "das Blut der Erde, sagte er, und "das Blut des Sieges."

Verstehen Sie mich nicht falsch, natürlich ist der erste Weltkrieg "made in germany" ohne wenn und aber! Es geht an dieser Stelle auch nicht darum, irgendeine Schuldfrage zu klären. günstige-intelligenz.de analysiert das System, dazu gehören immer mindestens zwei Seiten und an dieser Stelle geht es uns um die Entstehung und den Niedergang des deutschen Rentensystems.
Deutschland schaute im Jahre 1914 auf eine über vierzigjährige, friedliche und erfolgreiche Entwicklung zurück. Diese basierte auf der Arbeit von Millionen fleißiger Menschen, auf verantwortungsvollem und erfindungsreichem Unternehmertum, einem weltweit einzigartigen Bildungs- und Sozialsystem und der klugen Politik eines Bismarck, eines Bebels und vieler anderer. Bismarck war immer gegen eine Aufrüstung zu Wasser, weil er keine Konfrontation mit den Briten wollte, Bismarck war gegen Kolonien, weil er keine Konfrontation mit den anderen Kolonialmächten wollte.
Aber das ist eben nur die ein Teil des deutschen Volkes, es gab auch die gewissenlosen, machtbesessenen Politiker vieler Parteien, skrupellose und gierige Unternehmer wie zum Beispiel auch Krupp und ein Deutschtum, "an dessen Wesen die ganze Welt genesen" sollte. An der Spitze ein unfähiger Kaiser, der glaubte, Deutschlands Größe wäre eine Gottes Geschenk und nun sei es an der Zeit es zu einem Geschenk für die ganze Welt zu machen.
Diese Deutschen hatten überhaupt keine Ahnung, wie kompliziert und wie komplex es war, die deutsche Einheit zu verwirklichen und diese Menschen ahnten überhaupt nicht, dass sich weder Briten, noch Franzosenn oder Russen mit einem einigen friedlichen erfolgreichen Deutschland abgefunden hatten. Diese Deutschen tappten in die gut vorbereitete Falle und Karl Liebknecht war der einzige Politiker des ganzen Reichstages, der gegen den Krieg anredete. "Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche" ... tönte der Operettenkaiser unter dem tosenden Ablaus eine Herde Idioten, enstschuldigen Sie das harte Wort. Was hat wohl Churchill in London gedacht?! Geschmunzelt hat er und gestaunt, wie sein fragiles Uhrwerk anfängt zu ticken!
Der erste Weltkrieg war ein Aggressionskrieg ohne irgendeinen Nutzen für die deutsche Nation! Deutschlands territoriale Integrität wurde nicht bedroht, Deutschlands Wirtschaft war gesund, der Haushalt ausgeglichen, es gab keine Leichen im Keller, die man entsorgen musste! Wozu also dieser Krieg!

Man kann sich trefflich daüber streiten, ob Kriege sinnvoll sind oder nicht, leider ist die Geschichte der Menschheit auch eine Geschichte von Kriegen und wer versucht, die Geschichte zu verstehen oder gar ihren Sinn zu ergünden, der muss auch versuchen, Kriege zu verstehen und ja, ein eigentlich paradoxes Unterfangen, den Sinn von Kriegen zu suchen.
Wer die schmerzvollen und verlustreichen schlesichen Kriege von Friedrich dem Großen nicht als den Geburtsstunde der deutschen Einheit begreift, hat die deutsche Geschichte nicht verstanden, wer die drei Kriege Bismarcks nicht als deren Vollendung erkennt, ebenso.

Nur wenn wir versuchen, unsere Geschichte zu verstehen, werden wir auch den Auf- und Abstieg des deutschen Rentensystems verstehen, was sind seine Systemgrundlagen, wie sind diese entstanden und wie, warum und durch wen wurde dieses einstmals so vorblildliche und so leistungsstarke System schrittweise zerstört und zwar bis heute!

Die Geschichte hat 1918 ihr hartes Urteil gesprochen: "Ich kenne kein friedliches, freies Deutschland mehr!" Die Welt war eine andere geworden, Amerika war der einzige Gewinner des Krieges und zur Weltwirtschaftsmacht Nr. 1 aufgestiegen unsere "Besieger" Franklreich, Großbritannien und Russland hatten sich gehörig verrechnet und waren letztlich auch Opfer eines Wahnsinns. Die Zeit der europäischen Operettenkaiser war vorbei, unser deutscher Wilhelm II emigrierte ins holländische Doorn und hackte fortan nur noch Holz, sein selbst gewählter Grabspruch lautet:

Lobet mich nicht, denn ich bedarf keines Lobes;
Rühmet mich nicht, denn ich bedarf keines Ruhmes;
Richtet mich nicht, denn ich werde gerichtet werden.(6)

Amen! ... Was für ein Narr. Als ob sich in den Trümmern eines vollständig abgebrannten Hauses noch irgendjemand dafür interessieren würde, ob vorher Staub gewischt wurde!
Der Rest ist bekannt, die Geschichte nahm ihren Lauf und sollte beweisen, dass die Hypotheken dieser Katastrophe der Anfang einer noch größeren wurde. Doch noch war der erste Weltkrieg gar nicht zu Ende.

Seine direkten Auswirkungen forderten weitere Opfer, eines davon ist weitestgehend unbekannt: es ist unser deutsches Rentensystem!


DER GESCHICHTE FÜNFTER TEIL. DER ZUSAMMENBRUCH,
oder: ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAGE: DER TOD DER BISMARCKSCHEN RENTE, EIN HINTERHÄLTIGER MORD


Das Leben ist eine Baustelle:

Bildquelle: pixabay

Meine Lieben, wir betreiben wieder einmal Bildanalyse: Wir sehen ein mehrteiliges Gebäude, die Struktur steht, wir können die Gestalt des irgendwann einmal fertigen Hauses schon erahnen, einige Bereiche sind ausgemauert, andere nicht. Man sieht keinen Menschen arbeiten, es könnte sich also um eine Berliner Baustelle handeln.

An günstige-intelligenz.de wird eifrig gearbeitet, alles andere ist wie auf dem Bild, man erahnt das Ganze, einige Kapitel sind bereits fertig. Bitte haben Sie Geduld und freuen Sie sich über jedes neue Detail.

Im Schweiße ihres Angesichts
verbleiben mit herzlichen Grüßen
Ihre engagierten Zeitgenossen


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