1. Die Einführung des Faktors X

Vielen Dank, dass Sie es bis hierher geschafft haben, beweist Durchhaltevermögen. Ja, Sie haben Recht, über Steuern sprechen ist ungefähr genauso spannend wie beim Angeln zuschauen. Da es bei günstige-intelligenz.de einige Themen gibt, deren Unterhaltungswert sich an der Nachweisgrenze bewegt, haben sich die Autoren etwas ganz Cleveres ausgedacht, nämlich unsere Rubrik: eine kleine Geschichte. Vielleicht haben Sie ja schon einmal rein gelesen, für die Anderen nur ganz kurz: die kleine Geschichte spielt im Jahre 2040 bei der Familie Weber und beschreibt, wie alle aufgestellten Forderungen Wirklichkeit geworden sind oder gerade werden. Sie begleiten die Familie und erleben die Erfolge, die Rückschläge und die Kämpfe.

So genug Eigenwerbung, wir kommen zum Thema: ... der Fernsehreporter würde jetzt sagen: meine lieben Zuschauer wir schalten jetzt ins Jahr 2040 in das Kinderzimmer der Familie Weber und sind dabei, wie Papa Karl seiner achtjährigen Tochter Sarah eine seiner ganz eigenen Gutenachtgeschichten erzählt.

... „So, los jetzt ins Bett, wenn deine Mutter wüsste, (sie hat Nachtschicht, d.A.) dass du hier so spät noch rumturnst, will sie sich wieder von mir scheiden lassen.“Das macht sie nicht, Papa, ... sie hat dich doch sooo lieb.“ Sarah strahlt ihren Papa an, sich der Wirkung ihrer Worte und ihres Lächelns durchaus bewusst, Karl denkt, was für eine Rotzgöre (berlinerisch für ... freches Kind d.A.) und kann doch nicht anders, als über das ganze Gesicht zurück zu lachen. „Noch eine Geschichte von der Bärenkarte, eine ganz ganz kleine, bitte Papa!“ (die Bärenkarte ist der "NeZ-Stick," dieser wird von den Landesverbänden des NeZ herausgegeben, die Berliner Ausgabe hat die Form ein runden Schlüsselanhängers und auf der Vorderseite ist der Berliner Bär, d.A.) Karl denkt nach, jetzt bloß nichts Spannendes, dann wird sie wieder wach, etwas Abstraktes ... sehr gut Steuer, das ist langweilig: der Faktor X. Karl deckt seine Tochter richtig zu und streicht über ihre Stirn, Sarah nimmt seine Hand und hält sie fest, als ob sie der einzige Halt in dieser Welt wäre.

„Seit Hunderten von Jahren erfinden die Menschen Maschinen, die schwere, dreckige oder auch langweilige Arbeit erleichtern oder sogar ganz alleine machen.“ „Toll“ meint Sarah und fragt, was denn daran schlecht sei. „Schlecht ist daran nichts,“ sagt Karl, „die Sache hat nur den Haken, dass die Menschen so immer weniger Arbeit haben.“ „Aber das ist doch toll, dann können sie doch andere Dinge machen, Flöte spielen zum Beispiel“ sagt Sarah. „Und wovon kaufen sich die Menschen dann ihr Brot und bezahlen ihre Wohnung,“ ... „na mit der Bärenkarte Papa!“

Karl muss lachen und erklärt weiter: „Die Maschinen wurden immer besser und irgendwann wurde der Computer erfunden und so erledigen heute computergesteuerte Maschinen noch mehr Arbeit und machen in vielen Betrieben Arbeitskräfte fast vollkommen überflüssig. Inzwischen reden die Maschinen sogar untereinander und brauchen nicht mal dazu mehr den Menschen. Es gibt immer mehr Geisterfabriken, in denen arbeitet nur noch ein Pförtner.“ „Und was erzählen sich die Maschinen?“ fragt Sarah. „Keine Ahnung, es ist ja niemand mehr da, der zuhören könnte, aber pass auf mein Schatz jetzt wird es spannend!“ Sarahs Atem wird ruhiger, ein gutes Zeichen, dass Karl auf dem richtigen Weg ist, so erklärt er seiner Tochter weiter:

„Vor ein paar Jahren sind schlaue Menschen darauf gekommen, wie man das Problem endlich lösen kann. Dazu ist ein Gedanke notwendig: In einer Maschine steckt die Arbeit eines Erfinders. Aber, ...“ Karl schaut zu Sarah, „Aber was?“ „Ja, also der Erfinder fing ja nicht bei Null an, sondern er konnte aufbauen auf all dem, was viele Generationen von Erfindern, Technikern und Ingenieuren vor ihm schon erfunden hatten. Dein Papa nennt dies immer das „gesammelte menschliche Wissen.“ Und je höher automatisiert eine Maschine oder eine ganze Fabrik ist, desto mehr gesammeltes menschliches Wissen steckt in ihr. Seit die Menschen den aufrechten Gang erlernt haben, erweitern sie ihr Wissen. Es ist unser, über Generationen gesammeltes Wissen, was uns von den Tieren unterscheidet und dieses Wissen wird immer größer, weil wir es als Gesellschaft bewahren und so für jeden nutzbar machen. Das ist ein bisschen wie bei einem großen Fischschwarm, der ist intelligenter als der einzelne Fisch.“ Karl ist sich nicht sicher, ob Sarah das versteht, auf alle Fälle genießt sie die Wärme und die Stimme ihres Vaters und ... schläft immer noch nicht.

„Den Aufwand, oder seit dem das Geld erfunden wurde, die Kosten für die Weitergabe und Erweiterung dieses menschlichen Wissens zahlt immer und zum großen Teil die Gemeinschaft: Kindergärten, Schulen, Universitäten und Forschungsinstitute.“ ... „Und was wird dann aus dem Wissen?“ Sarah flüstert mit geschlossenen Augen. „Das schreib ich in meine Hefte, nehme es mit nach Hause und zeige es Euch.“ Karl ist wirklich stolz auf seine kluge Tochter. „Richtig mein Engelchen, Du nimmst das Wissen mit nach Hause, es gehört jetzt Dir, es ist Deins, Du kannst damit machen, was Du willst. Du kannst es einfach vergessen, aber Du kannst später damit auch eine neue Maschine oder einen Computer oder sogar ein Raumschiff bauen. ... und ... Du kannst damit Geld verdienen.“

An dieser Stelle schläft Sarah endgültig ein, worüber Karl ganz froh ist, denn erkläre einer Achtjährigen mal, was ein variabler Gewerbesteuersatz ist.

Egon Schiele "schlafendes Mädchen" Bildquelle: artnet, mit freundlicher Genehmigung vom 15.08.18


Sarah schläft und wahrscheinlich ist Karl nach einem anstrengendem Tag gleich mit eingeschlafen. Wir, meine lieben Leser, verlassen auf leisen Sohlen das Kinderzimmer, wer von Ihnen weiterlesen möchte, den verweisen zu unserer kleinen Geschichte.

Also: das menschliche Wissen wird in der kapitalistischen Reproduktion gesellschaftlich erworben und danach privatisiert. Das ist richtig und sinnvoll. Denn das Wissen allein nützt gar nichts! Es braucht einen Erfinder, der daraus eine Tablette, eine Maschine, einen Computer oder ein Raumschiff erschafft. Jetzt muss der Erfinder unternehmerisches Geschick haben oder einen Partner mit Unternehmergeist finden, dann braucht es noch ein Quäntchen Glück, manchmal hilft auch eine kleine Gaunerei und es entsteht aus dem Wissen ein Produkt, mit dem unser Erfinder Geld verdient. Manchmal richtig viel Geld: Die amerikanische Firma Apple verdiente mit ihrem iPhone im Jahre 2016 fast 45 Milliarden Euro und erzielte einen Gewinn von 14,5 Milliarden Dollar.(1) Die Fülle der in einem HighTech Produkt wie einem Smartphone enthaltenen Technologien ist sehr groß und ein gutes Beispiel dafür, wie gesellschaftlich erworbenes und danach privatisiertes Wissen, die Grundlage für eine, im Falle iPhone wirklich geniale Erfindung bildet. Dazu kommt noch sehr geschicktes Unternehmertum, was auf dem kapitalistischen Markt eine Nachfrage erzeugt und das Produkt realisiert sich erfolgreich. Dieser Vorgang, also akkumuliertes Wissen und Kapital verbunden mit einer erfolgreichen Innovation, nennen wir technologischen Fortschritt. Diesen beten wir an wie eine Götze und er lässt unsere Gesellschaft so leben wie wir heute leben wollen. Hoffentlich läßt er uns auch überleben!

Das dies immer so weiter geht, also das die Gesellschaft weiterhin Wissen generieren und weitergeben kann, zahlen wir Steuern, wir tun es nicht gern, aber wir tun es. Alle, die etwas verdienen zahlen Steuern, also fast alle.

Apple zahlte im Jahre 2014 in Europa 0,005 Prozent Steuern.(2) Das ist immerhin 0,05 Promille. Eigentlich bemisst man Steuerzahlungen in Prozent, aber bei Apple und anderen Großkonzernen wie Ebay, Google, Amazon und anderen Schwerverdienern sind selbst Promille noch zu groß. Dies ist nun keine geniales Unternehmertum mehr, sondern ein Riesenskandal und der wird nur möglich durch willfährige Helfer, das sind in diesem Falle die europäischen Regierungen. Diese nehmen den kleinen Mann und die kleine Frau immer härter an die Steuerkandarre und ziehen bei den Großen den Schwanz ein. Zirka eine Billion Euro verliert das europäische Volk jährlich durch Steuerflucht, schätzen die Autoren der Paradise Papers.
In Europa arbeitende abhängig Beschäftigte müssen ungefähr die Hälfte ihres Einkommens für Steuern und Abgaben bezahlen. Fünzig Prozent, das ist das Zehntausendfache dessen, was Apple zahlt. Das sollten Politiker eigentlich keine einzige Sekunde hinnehmen. Aber Herr Seehofer & Co. beschäftigen sich lieber ihr gesamtes Politikerleben mit Flüchtlingen, die sind wehrlos und es gibt jede Menge applaudierender Deppen, die gar nicht merken, wie ihnen tagtäglich das Fell über die Ohren gezogen wird. Im Spanischen gibt es dafür ein Wort: „Cojones“ lieber Herr Seehofer, für Sie und Ihr ahnungslosen Lemminge ein Fremdwort! Bitte verzeihen Sie, ich schweife ab, wir sind doch auf dem Weg zum Faktor X. Sarah und Karl schlafen selig, wir gehen unseren Weg mutig allein weiter.

Also wir alle zahlen Steuern und zwar nicht im Promille-Bereich und es gibt so viele verschiedene Steuern, dass kein Mensch mehr durchblickt und selbst die Steuerberater brauchen heutzutage Berater also: Steuerberater-berater. Aber: ...

„In dem ganzen Wust haben wir eine Steuer vergessen, die aber immer wichtiger wird und vielleicht der Retter der Welt ist.“ würde Karl in seiner euphorischen und etwas übertreibenden Art sagen:
Es fehlt eine Steuer auf das gesammelte menschliche Wissen!“

Das lassen wir uns auf der Zunge zergehen:

Der Faktor X ist eine neue Steuer, die sich am Anteil des in einem Produkt oder in einer Dienstleistung gesammelten menschlichen Wissens bemisst. Dabei wird sowohl das Produkt, als auch die Art der Herstellung bewertet.

Ich mache es wie Karl und erkläre es an Beispielen: Das Brötchen vom Bäcker an der Ecke stellt dieser so her wie unsere Vorfahren vor tausenden Jahren. Sicherlich hat auch er eine Knetmaschine und einen modernen Backofen, letztendlich entsteht das Brötchen aber in Handarbeit.
Die vollautomatische Backstraße des Brötchenkonzerns dagegen vereint viele von Genrationen genialer Erfinder und Techniker erfundenen Technologien. Bei der Herstellung arbeiten kaum noch Menschen, selbst die Qualitätssicherung wird von Hightech Laboren durchgeführt.

Der Steuerfaktor X des kleinen Bäckers an der Ecke wird also sehr gering sein,
der der vollautomatischen Backstraße sehr hoch
.

Die Pflegedienstleistung einer Pflegerin bzw. eines Pflegerin ist ausschließlich eine menschliche Leistung, das ist keine mechanische Verrichtung sondern ein komplexer empathischer Prozess. Die Telefonleistung eines modernen Poviders ist wietestgehend vollautomatisch und hochmodern. Ein Vodafone Mitarbeiter generiert im Jahre 2015 einen Umsatz von fast 460.000€ (3) im deutschen Einzalhandel schafft ein Mitarbeiter im gleichen Jahr 153.000€ (4) und bei Pflegediensten sind es unter 100.000 € pro Mitarbeiter. (5) Das sind Durchschnittszahlen, der kleine liebenswerte aber hochgradig "uneffektive" Tante Emma Laden und die aufopferungsvolle und hochgradig "uneffektive" ehrenamtliche Pflegeleistung werden von der Satatistik nicht erfasst.

Der Steuerfaktor X der Pflegedienstleitung wird sehr gering sein,
der des vollcomputerisierten Telefonanbieters sehr, sehr hoch.

Verstehen Sie jetzt das Problem unseres derzeitigen Steuersystems: man kann doch eine vollautomatische Backstraße nicht mit dem kleinen Bäcker gleich setzen und man kann eine Pflegeleistung nicht mit einer vollautomatischen Telefondienstleistung gleich setzen.

Jetzt werden unsere Steuerfachleute zu recht sagen, so ganz gleich gesetzt sind sie auch heute nicht, es gibt ja noch die und die und die Steuer. Uns aber geht es um das Prinzip, deshalb reden wir auch vom Faktor X ohne die Steuerform konkret zu benennen.

Fakt ist, in unserem wahnsinnig komplizierten Steuersystem werden Hochtechnologien steuerlich gefördert und manuelle Dienstleistungen steuerlich benachteiligt. Das hatte auch seinen Sinn, weil so der technologische Fortschritt gefördert wurde, nur sind wir heute an dem Punkt dass dieser technologische Fortschritt wenige noch reicher und viel immer ärmer macht. Oder anders ausgedrückt: auf allen Bereichen der Wirtschaft herrscht der gleiche Effektivierungsanreiz, man kann auch sagen: lastet der gleiche Automatisierungsduck. Das ist Unsinn, wird für unsere Gesellschaft immer teurer und muss endlich beendet werden

Unsere genialen Politiker kommen dann auf solche Ideen, billige ausländische Pflegekräfte, also Gehaltsempfänger zweiter Klasse anzuwerben, die Japaner gehen noch weiter, sie bekommen zwar kein sicheres Atomkraftwerk hin, sind aber Spitzenreiter in der Entwicklung von Pflegerobotern. Geht es noch würdeloser?! Möchten Sie von einem japanischen Roboter gepflegt werden?!

Schauen wir in die Zukunft: Wenn der Bäcker an der Ecke seine Produktion vergrößern möchte, hat er zwei Möglichkeiten: er investiert in eine halbautomatische kleine Backstraße, dann steigt sein Steuerfaktor X. Wenn er sich jedoch entschließt, seine Brötchen nach wie vor in Handarbeit herzustellen, weil genau diese Brötchen seine Kunden so lieben, dann stellt er noch zwei Gesellen ein und sein Steuerfaktor X sinkt. Für welche Varainte sich unser Bäcker entscheidet, ist allein seine Angelegenheit, aber er erhält überhaupt erst einmal die Möglichkeit zu entscheiden. Nur so werden Kategorien wie Nachhaltigkeit, geringe Transportwege, regionales Wirtschaften auch zu wirtschaftlichen Komponenten und sind nicht länger nur dem guten Gewissen geschuldet!

Verstehen Sie das Prinzip? Genau dieser Faktor fehlt in unserem Steuersystem: er löst nämlich den bis haute antagonistischen Gegensatz von fortschreitender Automatisierung der Produktion und der Menge an gesellschaftlich vorhandener Arbeit. Er löst den Widerspruch zwischen einer "globalisierten" und einer nachhaltigen Wirtschaft!

Der Unternehmer soll doch automatisieren, er soll doch Arbeitskräfte freisetzen. Er soll doch menschenunwürdige, dreckige, stupide oder gefährliche Arbeiten durch Maschinen ersetzen. Er soll in hochmoderne Technologien investieren. In diesen steckt gesammeltes menschliches Wissen, das sind in der Technologie enthaltene Kosten, genau diese gibt er mit dem Faktor X der Gesellschaft zurück, damit kann weiteres Wissen finanziert und manuelle Tätigkeiten steuerlich gefördert werden.

Meine Lieben, es war bisher umsonst, Sauerstoff zu verbrauchen und Kohlendioxid zu produzieren, das hat uns großen Fortschritt gebracht und niemandem geschadet. Heute leben wir in Zeiten des Klimawandels, also müssen wir umdenken und Sauerstoffverbrauch und Kohlendioxidemmission in Rechnung stellen. Die Technik und das Knowhaow dazu gibt es! Es muss nur noch der Mensch endlich anfangen umzudenken. Genau so ist es mit dem menschlichen Wissen, wir haben es bisher umsonst verschenkt, auch das hat uns großen Fortschritt gebracht, hat aber leider die ungünstigen Nebenwirkungen, dass manuelle Tätigkeiten nicht mehr konkurrenzfähig sind, es immer mehr Arbeitslose gibt und die Früchte des Fortschritts nur wenigen zu Gute kommen.

Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind, in genau diesen fünf Sekunden verdient der zweitreichste Mann der Welt Bill Gates ungefähr 350 Euro. Von diesem Geld könnte man drei unterernährte afrikanische Kinder bis zu einem normalen Köpergewicht ernähren.

Natürlich ist Bill Gates ein genialer und ein cleverer Erfinder und es ist vollkommen in Ordnung, dass er mit seinen Visionen reich geworden ist. Die Frage ist nur wie reich und die Frage ist, was hat die Menschheit zu seinen Entwicklungen beigetragen: Bill Gates Technologie ist die Spitze einer Technologiepyramide, die Menschen vieler Generationen auf der ganzen Welt geschaffen haben.

Schon wieder muss der „arme“ Bill Gates für unsere Betrachtungen herhalten. Bill Gates kann nichts dafür, dass in Afrika Kinder hungern und er engagiert sich persönlich, Leid zu lindern und er macht sich sogar einen Kopf, wie man das Beschäftigungsproblem lösen kann. Der gute Bill taugt einfach für unsere Betrachtungen sehr gut als Anschauungsbeispiel, bitte verzeihen Sie mir, verehrter Herr Gates, ich verneige mich voller Hochachtung vor Ihrem gigantischen Lebenswerk. Das meine ich ernst, liebe Leser. Der Mann hatte eine Vision und er hat seine ganze Kraft in die Verwirklichung seiner Vision gesteckt und ist damit vollkommen zu recht reich geworden. Solche Menschen brauchen wir und ich lehne jede Form von Sozialneid kategorisch ab, es muss auch materielle Anreize geben, Visionen umzusetzen und wer Großes leistet soll damit auch reich werden. Die Betonung liegt auf „großes Leisten!“ das ist etwas anderes als „großes Abzocken!“

Diese Bemerkung war wichtig um nicht falsch verstanden zu werden, jetzt kommen wir wieder zurück zum Thema:

Ich benutze gerne Extrembeispiele, weil sich an Ihnen das Problem sehr gut darstellen lässt: Trotz der Entwicklung der Produktivkräfte der Menschheit können wir nicht alle Menschen ernähren: eine Milliarde Menschen um genau zu sein. Das ist nicht Gott gegeben, das ist Menschen gemacht und damit muss Schluss sein. Und selbst, wenn wir nach Deutschland scheuen, wo niemand hungert, wir sind ein Hochtechnologiestandort mit Pflegenotstand, zehntausende bäuerliche Betriebe mussten in den letzten Jahrzehnten aufgeben, wir haben selbst in Konjunkturzeiten Millionen von Arbeitslosen. Das ganze traditionelle Handwerk stirbt immer weiter, weil der Tischler nicht mit IKEA konkurrieren kann und die Menschen die gern zum Tischler gehen würden, sich das nicht leisten können. Genauso kann der Schuster nicht mit dem Schuhdiscount. der made in China verkauft konkurrieren. Genau so geht es der Kneipe an der Ecke, dem Tante Emma Laden, dem kleinen Buchladen. So geht es dem Bildungssektor, so geht es dem Gesundheitssektor und so geht es dem Kultursektor. Menschliche Arbeit ist unverzichtbar aber leider nicht konkurrenzfähig mit Hochtechnologie und deshalb nicht mehr bezahlbar.

Ich muss noch einmal auf den Pflegeroboter zurück kommen. Ich bin jedes Mal fassungslos, wen auch nur ein vernünftiger Mensch, deren Einsatz erwägt. Was ist dann das nächste: Arzt-roboter, Lehrer-roboter, Schauspieler-roboter und irgendwann heiratet man einen Roboter? Sind wir vollkommen bescheuert, ist es das höchste Ziel der Menschen, den Menschen abzuschaffen?!

Mit der Erfindung der Dampfmaschine und der beginnenden Industrialisierung entstanden auch die Maschinenstürmer, Menschen die glaubten, die Maschinen seien schuld an allem. Geistige Maschinenstürmerei ist bis heute in vielen Köpfen. Meine Lieben, Maschinen und auch ein System können nicht schuld sein. Beides ist Menschen gemacht. Auch die neuesten Technologien sind nicht schuld an den Problemen der Welt und genauso werden sie die Probleme der Welt nicht lösen, auch wenn das einige Spinner im Silicon Valley glauben.

Die menschliche Produktivkraft ist so weit entwickelt, dass niemand mehr hungern müsste und das alle Menschen der Welt ein regional unterschiedliches bedingungsloses Grundeinkommen erhalten könnte, günstige-intelligenz.de wird dies beweisen und nachrechnen, auf Heller und Pfennig. Deutsche Kranke brauchen keinen Roboter, sondern menschliche Kompetenz und Empathie, ich möchte mir Schuhe leisten können, die mein Schuster an der Ecke fertigt! Milchbauern sollen gut leben können ohne ihre Kühe mit 14.000 Litern Jahresleistung quälen zu müssen.

Die kostenlose Aneignung von Sauerstoff und der kostenlose Ausstoß von Kohlendioxid ist nicht systemimmanent sondern eine pseudo-feudalistische Aneignung. Der Radfahrer und der SUV-Fahrer erreichen das gleiche Bewegungsziel, aber sie können nicht länger steuerlich gleich behandelt werden. Lesen Sie dazu das Kapitel Einführung einer Sauerstoffabgabe und Einführung einer Kohlendioxidabgebe. Der Krankenpfleger und der Telefondienstleister leisten ehrliche und qualifizirte Arbeit, die Kosten und der Gewinn, der sie beschäftigenden Unternehmen kann jedoch nicht länger steuerlich gleich behandelt werden.

Der Widerspruch zwischen wachsender Automatisierung und sinkenden Wohlstand für große Bevölkerungsanteile ist nicht systemimmanent. Die kostenlose Aneignung menschlichen Wissens ist eine pseudo-feudalistische Aneignung. Damti muss Schluss sein.

Auch hier wieder bedarf es eines großen gesellschaftlichen Aufwands, um für jedes Produkt und für jede Dienstleistung den Faktor X zu bestimmen. Aber auch hier gilt unser Leitsatz: Teurer als es zu tun, ist nur, es nicht zu tun. Der Aufwand lohnt sich, es geht um nicht mehr und nicht weniger als die Lösung eines der wesentlichsten ungelösten Probleme der kapitalistischen Reproduktion. Der Faktor X ist nicht das Wundermittel, das alle Probleme löst, aber er ist ein wichtiges Werkzeug, dass wir hiermit in unseren geistigen Werkzeugkoffer legen.

Bleiben Sie dran, es bleibt spannend!

Bildquelle: pixabay


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